Antibiotika und Darmflora: Auswirkungen auf das Mikrobiom
Antibiotika bekämpfen bakterielle Infektionen effektiv. Gleichzeitig wirken sie aber nicht nur auf krankmachende Keime, sondern auch auf nützliche Bakterien im Darm. Diese Gemeinschaft von Mikroorganismen wird als Darmflora oder Mikrobiom bezeichnet und spielt eine wichtige Rolle für Verdauung, Stoffwechsel und Immunsystem.
Eine neue Studie in der Fachzeitschrift „Nature Medicine“ zeigt: Antibiotika können die Zusammensetzung des Darmmikrobioms langfristig verändern. In einigen Fällen waren Veränderungen sogar noch vier bis acht Jahre nach der Einnahme nachweisbar.
Schon einzelne Behandlungen können Spuren hinterlassen
Ein Forschungsteam der Universität Uppsala untersuchte den Zusammenhang zwischen früherer Antibiotika-Behandlung und der heutigen Darmflora.
„Wir sehen, dass eine vier bis acht Jahre zurückliegende Antibiotika-Einnahme mit der heutigen Zusammensetzung des Darmmikrobioms einer Person zusammenhängt. Selbst eine einzige Behandlung mit bestimmten Antibiotika hinterlässt Spuren“, sagte Dr. Gabriel Baldanzi von der Universität Uppsala.
Nicht jedes Antibiotikum wirkt gleich stark auf die Darmflora
Die Studie zeigt auch: Der Einfluss auf das Mikrobiom hängt stark vom Wirkstoff ab. Einige Antibiotika führten zu besonders deutlichen Veränderungen der Darmflora. Dazu gehörten:
- Clindamycin
- Fluorchinolone
- Flucloxacillin
Andere Wirkstoffe beeinflussten das Mikrobiom deutlich weniger. Das häufig verschriebene Penicillin V war in der Untersuchung nur mit vergleichsweise geringen und kurzfristigen Veränderungen verbunden.
Je nach Wirkstoff sind die Veränderungen von unterschiedlicher Dauer
Verschiedene Antibiotika führten zu deutlich anderen Ergebnissen: Die stärksten Veränderungen verursachten Clindamycin, Fluorchinolone und Flucloxacillin. Das häufig verschriebene Penicillin V war dagegen nur mit geringen und kurzfristigen Veränderungen des Mikrobioms verbunden.
Was die Ergebnisse für Patienten und Ärzte bedeuten
„Wir glauben, dass die Ergebnisse unserer Studie zukünftige Empfehlungen zum Antibiotikaeinsatz verbessern können. Das betrifft insbesondere die Wahl zwischen zwei gleich wirksamen Antibiotika, von denen eines einen geringeren Einfluss auf das Darmmikrobiom hat“, sagte Prof. Tove Fall, Leiterin der Studie.
Große Studie mit fast 15.000 Teilnehmern
Die Forschenden haben anhand von Daten aus Arzneimittelregistern und detaillierten Kartierungen des Darmmikrobioms von 14.979 schwedischen Erwachsenen die Mikrobiome von Menschen mit und ohne Antibiotika-Einnahme verglichen. Derzeit sammelt die Forschungsgruppe von etwa der Hälfte der Teilnehmenden eine zweite Probe, um zu untersuchen, ob die Effekte sogar noch länger als acht Jahre zu beobachten sind.
Quelle: DOI 10.1038/s41591-026-04284-y