Wer nach einer COVID-19-Erkrankung weiter monatelang mit Beschwerden zu kämpfen hat, fragt sich vor allem: Wann geht es endlich weg? Eine große Datenauswertung zeigt, dass sich Post-COVID-Symptome (PCS) oft bessern. Eine vollständige Genesung lässt sich daraus jedoch nicht immer ableiten.
Nach drei bis sechs Monaten lassen Symptome häufig nach
Für das Forschungsprojekt PCS-Journey wurden 94 internationale Langzeitstudien mit mehr als 20.000 Erwachsenen ausgewertet. Untersucht wurden Fatigue, Atemnot, depressive Symptome und Schlafprobleme. Fatigue ist ein körperlicher, geistiger und seelischer Belastungszustand infolge einer Erkrankung, der sich nicht einfach durch Ausruhen bessert.
Die Studie zeigt, dass sich die Beschwerden im Zeitverlauf zurückbilden. Besonders deutlich war die Entwicklung zwischen der 14. und 26. Woche nach Beginn des untersuchten Verlaufs. In diesem Zeitraum nahm die Häufigkeit der vier untersuchten Symptombereiche signifikant ab. Die Verläufe unterscheiden sich jedoch stark. Manche Betroffene erholen sich vergleichsweise schnell, andere haben länger anhaltende Beschwerden. Besonders Fatigue kann langfristig bestehen bleiben.
Lebensqualität kann sich trotz Symptomen verbessern
Die gesundheitsbezogene Lebensqualität verbesserte sich in den ausgewerteten Studien auch, wenn einzelne Symptome teilweise fortbestanden. Warum das so ist, lässt sich anhand der Daten nicht eindeutig erklären. Möglicherweise hat es damit zu tun, dass Betroffene Bewältigungsstrategien entwickeln oder ihren Alltag an die Erkrankung anpassen.
Gibt es Faktoren, die den Verlauf von Post-COVID vorhersagen?
Faktoren, mit denen sich der individuelle Verlauf von Post-COVID zuverlässig vorhersagen lässt, fanden die Forscher anhand der ausgewerteten Studiendaten nicht. Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen oder die Schwere der ursprünglichen COVID-19-Erkrankung ermöglichten hier keine belastbare Prognose.
Die Wirksamkeit einzelner Therapieformen wurden im Rahmen von PCS-Journey nicht untersucht. Doch die Studie kann Vergleichswerte für künftige Interventionsstudien liefern, um bei einer Therapie deren Einfluss auf die Genesung besser von einem Verlauf ohne diese Therapie abgrenzen zu können.
Was bedeutet das für den Umgang mit Post-COVID?
Im Hinblick auf die medizinische Versorgung sprechen die Ergebnisse für eine individuell angepasste und gegebenenfalls längerfristige Begleitung von Menschen mit Post-COVID. Dabei sollten nicht nur einzelne Symptome, sondern auch Funktionsfähigkeit, Alltagsbewältigung und Lebensqualität berücksichtigt werden.
Auch für die Rehabilitation ergeben sich wichtige Impulse: Der Erfolg einer Behandlung darf sich nicht nur daran bemessen, ob Symptome ganz verschwinden. Verbesserungen der Selbstständigkeit, sozialen Teilhabe oder Lebensqualität können ebenso bedeutsame Ziele sein.
Die Ergebnisse des Forschungsprojektes PCS-Journey („Unraveling the Post COVID syndrome journey“) unterstreichen einmal mehr den Bedarf an methodisch vergleichbaren und hochwertigen Langzeitstudien. Geleitet wurde das Projekt von Dr. Dominik Schröder vom Institut für Allgemeinmedizin an der Universitätsmedizin Göttingen. Es ist Teil der Plattform LongCARE, gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit, koordiniert von der TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V.