Sitzen und auf Bildschirme schauen belastet den Rücken
Der schwere Schulranzen gilt seit Jahren als Hauptverdächtiger für Rückenbeschwerden bei Kindern. Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) liegt die Ursache jedoch häufig woanders: Kinder und Jugendliche verbringen immer mehr Zeit mit Tablets, Smartphones und Laptops und bewegen sich gleichzeitig zu wenig.
Besonders problematisch ist die Haltung beim Blick auf den Bildschirm. Wer über längere Zeit mit nach vorne geneigtem Kopf auf Tablet oder Smartphone schaut, belastet Nacken und Rücken. Hinzu kommen viele Sitzstunden in der Schule und zu Hause.
Darauf kommt es beim Schulranzen an – auch bei Jugendlichen
Aus orthopädischer Sicht kommt es weniger auf das Gewicht als auf die richtige Passform an. Ein Schulranzen sollte zur Körpergröße passen, eng am Rücken anliegen und mit beiden Schultergurten getragen werden. „Ein ergonomisch angepasster Schulranzen verteilt die Last gleichmäßig und ist für gesunde Kinder in der Regel kein Risiko für den Rücken“, erklärt Professor Dr. Thomas Wirth, Leiter der Sektion Kinder- und Jugendorthopädie und -traumatologie der DGOU. Wichtig ist außerdem, nur die Materialien mitzunehmen, die tatsächlich benötigt werden. Schwere Gegenstände sollten möglichst nah am Rücken verstaut werden.
Während Grundschulkinder meist ergonomische Schulranzen nutzen, greifen viele Jugendliche später zu Schultertaschen oder Messenger-Bags. Diese belasten Schultern und Wirbelsäule einseitig.
Bewegung ist der beste Rückenschutz – auch bei Kindern und Jugendlichen
Der wichtigste Schutz vor Rückenbeschwerden ist Bewegung. Schon ein aktiver Schulweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad kann helfen, die Rücken- und Rumpfmuskulatur zu stärken. Auch kleine Bewegungseinheiten im Alltag machen einen Unterschied:
Treppen statt Aufzug nutzen
Aktive Pausen auf dem Schulhof verbringen
Nach den Hausaufgaben draußen spielen oder Sport treiben
Längere Sitzzeiten regelmäßig unterbrechen
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, dass sich Kinder täglich mindestens 60 Minuten moderat bis intensiv bewegen.
Tablets möglichst auf Augenhöhe nutzen
Digitale Geräte gehören inzwischen fest zum Schulalltag. Um Nacken und Rücken zu entlasten, sollten Tablets möglichst auf einem Tisch liegen und dort idealerweise mit einer Halterung leicht erhöht werden. So bleibt der Bildschirm näher an der Augenhöhe und der Kopf bleibt nicht dauerhaft nach unten geneigt. Auch regelmäßige Bildschirmpausen sind wichtig. Die DGOU rät dazu, spätestens nach 30 bis 45 Minuten aufzustehen, die Haltung zu wechseln und sich kurz zu bewegen.
Wann Rückenschmerzen abgeklärt werden sollten
In den meisten Fällen hängen Rückenbeschwerden bei Kindern und Jugendlichen mit Bewegungsmangel, langem Sitzen oder einer ungünstigen Haltung zusammen. Halten die Schmerzen jedoch über mehrere Wochen an, werden stärker oder treten auch nachts beziehungsweise in Ruhe auf, empfehlen die Orthopäden eine ärztliche Abklärung.