Schmerzmittel Kommunikation? Ibuprofen-Wirkung mit Worten unterstützen

pta-Forum Katja Egermeier  |  29.08.2025 10:10 Uhr

Optimistische Erwartungen können die Heilung fördern – besonders bei Schmerzen ist dieser Effekt bekannt. Mit positiver Kommunikation ließ sich die Wirkung von Ibuprofen in einer Studie verstärken – die des Scheinmedikaments auch.

Eine Medizinerin gibt einer Patientin Medikamente sowie Erklärungen dazu.
Gute Worte mit zur Schmerztablette? Das konnte in einer Studie die Wirkung von Ibuprofen deutlich stärken.
© PrathanChorruangsak/iStockphoto

Die richtigen Worte haben Einfluss darauf, wie gut Schmerzen gelindert werden – sowohl mit Ibuprofen als auch mit dem Scheinmedikament (Placebo). Das hat das Forschungsteam um Prof. Sven Benson, Universität Essen, herausgefunden. Dafür hat das Team 124 gesunden Teilnehmenden zunächst eine Substanz verabreicht, die akute Entzündungssymptome auslöste. Zusätzlich bekamen die Probanden Ibuprofen oder Placebo. Dabei machten die Medizinerinnen und Mediziner jeweils neutrale oder positive Aussagen über die Behandlung.

Die richtigen Worte zum Medikament

Die positiven Worte lauteten: „Sie werden 600 Milligramm Ibuprofen vor der Endotoxin-Injektion erhalten. Ibuprofen reduziert effektiv die Entzündungsreaktion und die Symptome wie Kopf- und Muskelschmerzen. Ibuprofen wurde in vorherigen experimentellen Studien mit einem sehr guten Effekt eingesetzt, um Krankheitssymptome zu lindern.“

Genau diese Aussage machte in der Studie einen deutlichen Unterschied: Ibuprofen linderte die Beschwerden zwar wie erwartet. Doch wenn die Einnahme mit ermutigenden Worten begleitet wurde, verbesserten sich die Symptome zusätzlich – und zwar auch in der Placebo-Gruppe. Besonders stark wirkte sich die positive Kommunikation auf das Wohlbefinden und die Stimmung der Teilnehmenden aus.

Wie wirken die Worte?

Auch die Kommunikation löst Placebo-Mechanismen aus. Diese linderten die entzündungsbedingten Symptome in der Placebogruppe. Sie steigerten aber auch die Wirksamkeit des entzündungshemmenden Medikaments in der Ibuprofen-Gruppe.

Allerdings zeigten die Worte keine Wirkung bei den physiologischen Entzündungsmarkern wie dem Cortisol-Werte, bestimmten Immunbotenstoffen, der Körpertemperatur oder der Herzfrequenz. Das Team geht daher davon aus, dass der Placeboeffekt hauptsächlich auf andere Weise Einfluss nimmt als das Medikament. Denn Ibuprofen wirkt sich direkt auf die Immunantwort aus.

Zukünftig verschriebene Worte zum Medikament?

Die Forschergruppe fordert nun ein Umdenken bei der medikamentösen Behandlung. “Wie wirksam eine Behandlung ist, hängt nicht nur von dem Wirkstoff ab, sondern auch von der Erwartungshaltung”, so die Professorin Ulrike Bingel, Neurologin und Leiterin der Schmerzmedizin an der Uniklinik Essen. Das Potential der Kommunikation, um Therapien weiter zu optimieren und zu personalisieren, werde noch kaum genutzt. 

Quelle: DOI 10.1186/s12916-025-04292-8

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