Während weltweit die Sepsis-Sterblichkeit sinkt, steigt sie in Deutschland. Experten fordern die Umsetzung der WHO-Empfehlungen: Pro Tag könnten so 190 Menschenleben gerettet werden.

In Deutschland sterben laut dem neuen Welt-Sepsis-Bericht noch immer erschreckend viele Menschen an einer Sepsis (Blutvergiftung). Im Jahr 2021 waren es über 211.000 Todesfälle. Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich deutlich zurück.
Während die weltweite Sepsis-Sterblichkeit zwischen 1990 und 2019 von 309 auf 182 Fälle pro 100.000 Einwohner sank, stieg sie hierzulande von 148 auf 163 Fälle. Besonders gefährdet sind Patientinnen und Patienten mit Harnwegs- oder Bauchrauminfektionen sowie Neugeborene. In Deutschland sterben 12 von 100.000 Babys an einer Sepsis – in Norwegen sind es nur 7,5.
In Deutschland werden jedes Jahr fast 33 Milliarden Euro für die Behandlung von Sepsis ausgegeben. Das sind etwa 6,5 Prozent aller Gesundheitsausgaben. Die Sepsis Stiftung fordert deshalb, dass Deutschland bestehende WHO-Empfehlungen konsequent umsetzt. Mit diesen Maßnahmen ließe sich nicht nur viel Geld sparen, sondern auch die Zahl der Todesfälle um bis zu 50 Prozent senken – das wären 190 gerettete Menschenleben pro Tag.
Der Vorsitzende der Sepsis Stiftung Prof. Konrad Reinhart kritisiert, dass Deutschland zwar bei der WHO-Resolution eine führende Rolle gespielt hat, hier aber nicht genug getan wurde: „Die bisher fehlende Umsetzung im eigenen Land unterminiert die Glaubwürdigkeit der Politik. Die nunmehr nicht länger zu leugnende Dimension des Problems bietet für die neue Gesundheitsministerin Nina Warken gemeinsam mit der Bundes- und den Länderregierungen eine große Chance, die meist durch Partikularinteressen geprägten Widerstände gegen eine evidenzbasierte und Gemeinwohl orientierte Gesundheitspolitik zu überwinden.“
Wähle aponet.de als eine bevorzugte Nachrichtenquelle bei Google und entdecke unsere aktuellen Gesundheitsnews häufiger in deinen News-Empfehlungen.
Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.
Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.
Im Fokus diesmal: Lithiumhaltige Nahrungsergänzungsmittel, Luftbelastung durch duftende Putzmittel…
aus Apotheke, Forschung und Gesundheitspolitik.
In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern