Baby & FamilieGesundheit

Warum Babys und Kinder selten schwer an Covid-19 erkranken

Lena Höppner  |  20.12.2021

Babys und Kinder leiden selten unter einem schweren Covid-19-Verlauf. Eine wissenschaftliche Erklärung dafür gab es lange Zeit nicht. Amerikanische Wissenschaftler haben nun Ergebnisse einer vielversprechenden Studie veröffentlicht, die dieses Phänomen belegen könnten.

Mann mit Maske hat Baby auf dem Arm
Da das Immunsystem von Neugeborenen schneller reagiert, scheinen diese seltener einen schweren Covid 19-Verlauf zu erleiden.
© vlada_maestro/iStockphoto

Kommt das Immunsystem mit einem unbekannten Erreger in Kontakt, reagiert das körpereigene Abwehrsystem des Neugeborenen schneller und effektiver und kann so eine Erkrankung vermeiden, lautet das Ergebnis einer amerikanischen Studie. „Viele gehen davon aus, dass das Immunsystem eines Babys schwach und noch wenig entwickelt ist“, sagt Studienmitautorin Donna Farber. Säuglinge erkranken zwar häufiger an viralen Atemwegserkrankungen, allerdings kommen sie auch zum ersten Mal mit diesen Erregern in Berührung. „Erwachsene erkranken seltener, da das Immunsystem diese Erreger verinnerlicht hat und so vor einer Erkrankung schützt“, so Farber weiter.

Trifft das Immunsystem auf einen unbekannten Erreger, arbeitet die Abwehr der Babys hingegen schneller und effektiver. Die T-Zellen – die Zellen, die die Antigene der Erreger aufdecken – aktivieren sich schon bei deutlich geringeren Erregermengen. Außerdem benötigen sie weniger Zeit zur Vermehrung und können binnen kürzester Zeit in größeren Mengen zum Infektionsherd wandern.

Bei Erwachsenen reagiert das Immunsystem langsamer

Das Ergebnis könnte auch erklären, warum Heranwachsende seltener schwer an Covid-19 erkranken. Zwar ist das SARS-Cov-2 Virus ist für alle unbekannt. Bei den Heranwachsenden erkennt das Immunsystem aber bereits geringe Erregermengen und beseitigt das Virus schneller. Da bei den Erwachsenden die körpereigene Abwehr bei unbekannten Erregern längere Zeit benötigt, hat das Virus die Chance, sich stärker zu vermehren und eine Erkrankung auszulösen.

Für die weitere Impfstoffentwicklung liefert die Studie wichtige Erkenntnisse. „Derzeit impft man bei vielen Altersklassen mit derselben Dosis“, so Farber. „Wenn man aber die eindeutige Immunantwort der Neugeborenen sieht, liegt die Überlegung nahe, dass bei Kindern niedrigere Dosen ausreichen könnten.“ Sie betont auch, dass Mehrfachimpfstoffe das Immunsystem nicht überlasten. „In dem Alter sind die Impfungen besonders effektiv, da die T-Zellen noch sehr robust sind. Jedes Kind ist bereits einer großen Menge an neuen Antigenen jeden Tag ausgesetzt und verkraftet das sehr gut.“

Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler der Abteilung für Immunologie und Mikrobiologie der Columbia Universität in New York die Kompetenz des Immunsystems, auf neue, unbekannte Erreger zu reagieren. Hierfür entnahmen sie naive T-Zellen – die Zellen, die noch nie mit einem Antigen eines pathogenen Keims in Berührung gekommen sind, von einer neugeborenen und einer erwachsenen Maus. Diese injizierten die Forscher in eine mit einem Virus infizierte Maus. Zu ähnlichen Ergebnisse kam eine Studie im Labor mit menschlichen Zellen.

Quelle: DOI: 10.1126/sciimmunol.abj0789

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