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Was grüner Tee kann

Peter Erik Felzer  |  01.09.2022

Längeres Leben, schlank machen, Abwehrkräfte stärken: Das alles verspricht das asiatische Heißgetränk. Doch was kann grüner Tee wirklich? Ein Blick auf neuere wissenschaftliche Studien.

Frau, steht in der Küche und trinkt Tee.
Grüner Tee soll sich positiv auf diverse Vorgänge im Körper auswirken.
© Viktoria Korobova/iStockphoto

Gestärkte Abwehrkräfte

Bisher dachten Forscher, dass grüner Tee Zellstress entgegenwirkt. Wissenschaftler der Universität Jena und der ETH Zürich fanden jetzt das Gegenteil heraus: Bei Fadenwürmern erhöhte er den Zellstress kurzfristig, was trotzdem die Abwehrkräfte auf Trab brachte. Studienleiter Professor Dr. Michael Ristow geht davon aus, dass sich die Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen und empfi ehlt daher Grünen Tee zu trinken. Von Grüntee-Konztraten und -Extrakten allerdings rät er eher ab.

Blutdruck gesenkt

Forscher aus Kalifornien haben eine Erklärung dafür gefunden, warum grüner Tee den Blutdruck senkt. Die in ihm enthaltenen Catechine aktivieren spezielle Kanäle in den Zellen der Blutgefäßwände. In der Folge entspannt sich deren Muskulatur, wodurch der Blutdruck abnimmt. Die Forscher hoffen, mit dieser Entdeckung einen neuen Ansatz für Medikamente gefunden zu haben, um Bluthochdruck künftig auch auf diesem Wege behandeln zu können. Praktisch: Bei Körpertemperatur entfalten Catechine ihre beste Wirkung.

Kein Schlankmacher

Lassen frei verkäufliche pflanzliche Präparate Kilos purzeln? Dieser Frage gingen Forscher durch eine Bewertung von 121 Studien mit fast 10.000 Erwachsenen nach. Einige der Produkte enthielten auch Extrakte aus grünem Tee. Fazit der Analyse, die in der Fachzeitschrift "Diabetes, Obesity & Metabolism" erschien: Diese Präparate eignen sich nicht zum Abnehmen. Anmerkung: Im Gegensatz zu Arzneimitteln erfordern frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel keine klinischen Nachweise für Sicherheit und Wirksamkeit.

Längeres Leben für alle

Mehr gesunde Lebensjahre und eine längere Lebenserwartung durch grünen Tee: Diesen Effekt fand vor zwei Jahren eine Studie aus China heraus. Bei Teetrinkern sank etwa das Risiko für Herzerkrankungen um ein Fünftel im Vergleich zu Nichttrinkern. Und bei den langjährigen Teefreunden fiel der Effekt sogar doppelt so stark aus. Dr. Dongfeng Gu von der Chinesischen Akademie für Medizinische Wissenschaften erläutert, warum: "Studien haben ergeben, dass die wichtigsten bioaktiven Verbindungen in Tee, die Polyphenole, nicht im Körper gespeichert werden. Daher ist möglicherweise ein regelmäßiger Konsum von Tee über einen längeren Zeitraum für die herzschützende Wirkung erforderlich." Grundsätzlich muss man auch bedenken, dass es sein kann, dass Grünteetrinker auch ansonsten gesünder leben als andere Menschen. Daher kann man nicht mit letzter Sicherheit sagen, ob die längere Lebensspanne nur vom grünen Tee herrührt.

Bakterien besser bekämpfen

Die aus grünem Tee gewonnene Substanz Epigallocatechin verhilft dem Antibiotikum Aztreonam zu mehr Schlagkraft. Dies berichten Wissenschaftler der britischen Universität Surrey und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung. Das Antibiotikum setzen Ärzte gegen schwere Infektionen mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa ein. Doch der Keim reagiert immer weniger auf diese Therapie. "Wir haben gezeigt, dass wir solchen Bedrohungen durch den Einsatz von Naturprodukten in Kombination mit bereits verwendeten Antibiotika erfolgreich begegnen können", betont Studienleiter Professor Dr. Roberto La Ragione.

Therapie gegen Feigwarzen

"Hat der Arzt die Diagnose Feigwarzen gestellt, kann er Patientinnen und Patienten Salben oder Cremes mit Grüntee-Extrakt verschreiben. Diese wirken sicher und zuverlässig und sind leicht anzuwenden. Das haben verschiedene Studien gezeigt", erklärt Professor Dr. Monika Hampl, Leiterin der Dysplasiesprechstunde der Frauenklinik St. Elisabeth Krankenhaus Hohenlind. Die Salben enthalten ein Gemisch aus Catechinen, das man aus Blättern des grünen Tees gewinnt.

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