Wasserstoffperoxid trinken? Lebensgefährliches "Allheilmittel"

Hanke HuberRüdiger Freund  |  22.01.2026 15:02 Uhr

Immer wieder kursieren im Netz vermeintliche „Wundermittel“. Hochkonzentriertes Wasserstoffperoxid gehört dazu. Doch Notfallmediziner aus den USA warnen eindringlich: Die Einnahme kann schwere, teils lebensbedrohliche Folgen haben.

Wasserstoffperoxid sollte nicht geschluckt werden.
Wasserstoffperoxid ist in verdünnter Form eine farblose Flüssigkeit, die aus Wasser und Sauerstoff besteht.
© iStock.com/serezniy

Wasserstoffperoxid: Ruf als „Wundermittel“ ohne wissenschaftliche Grundlage

In alternativen Gesundheitsforen wird hochkonzentriertes Wasserstoffperoxid immer wieder als vielseitig einsetzbares Mittel angepriesen. Einige Nutzerinnen und Nutzer hoffen auf Effekte gegen Infektionen oder chronische Beschwerden. Für diese Versprechen gibt es jedoch keine wissenschaftliche Grundlage. Ärztinnen und Ärzte raten klar von einer Einnahme ab.

Hochkonzentriertes Wasserstoffperoxid kann zu Embolie führen

„Die Einnahme von hochkonzentriertem Peroxid kann zu Embolien führen, die das Herz, die Atmungsorgane und neurologischen Systeme betreffen und zu dauerhaften Behinderung oder zum Tod führen können", sagt Studienautor Dr. Benjamin Hatten von der medizinischen Fakultät der University of Colorado.

6,8 Prozent der Wasserstoffperoxid-Vergiftungen: Behinderung oder Tod

Hatten und sein Team analysierten dafür über zehn Jahre hinweg Daten des US-amerikanischen National Poison Data System zu Vergiftungsunfällen durch geschlucktes Wasserstoffperoxid. Das Ergebnis zeigt deutliche Gefahren. Von 294 dokumentierten Fällen erlitten 41 Menschen eine Embolie. Das entspricht rund 14 Prozent. Bei 6,8 Prozent kam es sogar zu bleibenden Behinderungen oder zum Tod. 

Wasserstoffperoxid geschluckt? Lebensbedrohliche Beschwerden möglich

Zu den lebensbedrohlichen Beschwerden zählten:

Das berichtet Hatten online im Fachblatt Annals of Emergency Medicine.

Ab welcher Konzentration wird Wasserstoffperoxid gefährlich?

Von „hochkonzentriertem Peroxid“ sprechen Fachleute ab einer Konzentration von zehn Prozent oder mehr. Ab diesem Bereich wirkt die Flüssigkeit stark ätzend, warnt der Giftexperte. Eine versehentliche oder absichtliche Einnahme kann dadurch Gewebe schädigen und gefährliche Gasblasen im Blutkreislauf auslösen. Das Risiko für Embolien steigt massiv.

Wasserstoffperoxid: Sicher in der äußeren Anwendung

Im medizinischen Alltag kommt Wasserstoffperoxid in deutlich niedrigerer Konzentration vor allem zur Wunddesinfektion zum Einsatz. Bei äußerlicher Anwendung gilt es als sicher, wenn es korrekt verdünnt wird. Ein Verschlucken ist jedoch unbedingt zu vermeiden.

Quelle: DOI 10.1016/j.annemergmed.2016.11.022

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