Was ist zu tun, wenn sich das Kind vergiftet hat? Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gibt Empfehlungen für den Notfall und hat mit Dr. David Steindl, dem Leiter des Giftnotrufs der Charité, gesprochen.
Vergiftung: Was tun im Ernstfall?
Der wichtigste erste Schritt sei, ruhig zu bleiben. „Unruhe, Sorge und Angst der Eltern übertragen sich ganz schnell auf die Kinder“, erklärt Steindl gegenüber dem BfR. Statt vorschnell zu handeln, sollten Eltern zunächst prüfen:
- Atmet das Kind normal?
- Ist es ansprechbar?
- Zeigt es ungewöhnliche Reaktionen?
Anzeichen für lebensbedrohliche Ekrankungen oder Verletzungen
Bei Anzeichen für lebensbedrohliche Erkrankungen oder Verletzungen eines Kindes sollte der Notruf gewählt werden. Zu diesen Anzeichen zählen insbesondere:
- Das Kind ist nicht mehr richtig wach und kann nicht mehr richtig antworten
- Es ist nicht mehr in der Lage, normal zu atmen
- Es bewegt sich nicht mehr von selbst.
Wenn das geklärt ist, hilft meist der zuständige Giftnotruf schnell und unkompliziert weiter. Dafür reichen oft wenige Angaben aus, um eine erste Einschätzung zu geben. Besonders hilfreich: Der sogenannte „UFI-Code“ (Unique Formula Identifier, eindeutiger Rezeptur-Identifikator) auf dem Etikett des beteiligten Produkts: Damit sind schnell alle Inhaltsstoffe bekannt.
Hier ist besondere Vorsicht geboten
Generell ist besondere Vorsicht geboten bei:
- Ätzenden Produkten
- Produkten die in anderer Weise als gefährlich eingestuft sind
- Knopfzellen: Beim Steckenbleiben können sie zu Verätzungen und Durchbrüchen führen. Hier sollte schnell ärztlicher Rat hinzugezogen werden.
Entwarnung bei nur schäumenden Substanzen
Substanzen, die lediglich schäumend wirken, verursachten in der Regel keine schweren gesundheitlichen Folgen. Hier reiche etwas Entschäumendes und Beobachtung: „Und Dinge, die entschäumen können, sind tatsächlich ganz simple Sachen, so wie ein Teelöffel Butter oder andere sehr fettige Lebensmittel“, so Steindl.
Wie gut sind Hausmittel?
„Aktiv hervorrufen sollte man Erbrechen wirklich nie“, erklärt Steindl, „da durch den Finger im Hals Verletzungen im Rachen-Raum entstehen können“. Von Salzwasser rät er ab, da auch hochkonzentrierte Salzlösungen bei Kindern eine Salzvergiftung auslösen könnten. Milch als fettige Flüssigkeit könnte im schlimmsten Fall dazu führen, dass das Kind die gesundheitsschädlichen Substanzen leichter aufnimmt.
Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung