Haben Sie von Ihrem Arzt ein neues Asthma-Medikament verschrieben bekommen? Eine aktuelle Untersuchung zeigt: Bei Menschen mit Asthma oder COPD kann eine solche Umstellung ohne Vorbereitung zu Problemen führen.

Bei Asthma oder COPD (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung) gehören Inhalationsmedikamente zur täglichen Behandlung, häufig eine Fixkombination aus einem Wirkstoff zum Erweitern der Bronchen und einem Entzündungshemmer. Viele Patienten nutzen dabei sogenannte Dosieraerosole – praktische Sprays, die leicht anzuwenden sind. Doch: Diese enthalten klimaschädliche Treibgase.
Daher liegt die Umstellung auf Pulverinhalatoren nahe, die klimafreundlicher, wenn auch schwieriger anzuwenden sind. In Deutschland gibt es dazu die S2k-Leitlinie »Klimabewusste Verordnung von Inhalativa«. Auch in den USA tut sich etwas: Seit Juli 2021 versorgt die Veterans Health Administration (VHA), ein großer Versicherungsträger für Militärveteranen, Versicherte mit Asthma oder COPD bevorzugt mit einem Pulverinhalator. Das Standard-Inhalationsmedikament war zuvor ein Dosieraerosol. Mit der Umstellung wechselten sie auch die Wirkstoffe.
Diese Änderung hat nicht immer reibungslos geklappt. Das ist das Ergebnis des Teams um Dr. Alexander S. Rabin von der University of Michigan. Es hatte die Daten von mehr als 260.000 VHA-Versicherten ausgewertet, die vom Dosieraerosol zum Pulverinhalator gewechselt hatten. In den Monaten nach der Umstellung kam es häufiger zu Notfallbehandlungen und Krankenhausaufenthalten – unter anderem wegen Atemwegsproblemen und Lungenentzündungen:
Aber war die Umstellung die Ursache für die Verschlechterung? Das Team verglich die Daten mit Daten von Patienten, die nicht umgestellt worden waren. Für beide Gruppen betrachtete es den Zeitraum der ersten 180 Tage nach der Umstellung. Auch in diesem Vergleich stellte die Gruppe fest, dass die umgestellten Patienten generell etwas häufiger ins Krankenhaus kamen, unter anderem auch wegen Atemwegserkrankungen und Lungenentzündungen. Allerdings hatten die umgestellten Patienten kein größeres Risiko zu sterben, als die, die beim gleichen Inhalator geblieben waren.
Die Studienautor*innen gehen davon aus, dass mehrere Faktoren zur Verschlechterung beigetragen haben:
Aus deutscher Sicht hält die Studie Lehren bereit: Sie bestätigt, dass Asthma- bzw. COPD-Patienten auf eine andere Wirkstoffkombination und auf einen Pulverinhalator umgestellt werden können, ohne dass sich die Sterblichkeit erhöht. Allerdings macht sie auch klar: Die Patienten benötigen eine intensive Beratung bei so einer Änderung. Apotheken bieten diese Beratung als pharmazeutische Dienstleistung “Einweisung in die korrekte Inhalationstechnik” an.
Quelle: DOI 10.1001/jamainternmed.2025.2299
Wähle aponet.de als eine bevorzugte Nachrichtenquelle bei Google und entdecke unsere aktuellen Gesundheitsnews häufiger in deinen News-Empfehlungen.
Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.
Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.
Im Fokus diesmal: Dem Geschmacksverlust nach Covid-19 auf der Spur, die ideale Länge des…
aus Apotheke, Forschung und Gesundheitspolitik.
In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern