Sie sind in: Startseite Aktuelles Ihr Apotheker informiert Ibuprofen bei Covid-19-Verdacht?

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Bislang gibt es keine Studien dazu, ob Ibuprofen bei Covid-19 gefährlich ist.

Die Weltgesundheitsorganisation rät dazu, bei grippalen Symptomen vorsichtshalber Paracetamol anstatt Ibuprofen einzunehmen.
© dragana991/iStockphoto

Fr. 20. März 2020

Covid-19-Verdacht: Paracetamol statt Ibuprofen?

Was ist dran am derzeit viel diskutierten Zusammenhang zwischen Ibuprofen und einer Verschlimmerung der Lungenkrankheit Covid-19? Noch vor wenigen Tagen warnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor Ibuprofen bei grippalen Symptomen und empfahl stattdessen Paracetamol. Jetzt rudert die WHO wieder zurück.

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Am vergangenen Samstag ging eine Fake News durch die sozialen Medien, die vor der Einnahme von Ibuprofen bei einer Covid-19-Infektion warnte und sich dabei auf angebliche Studien der Uniklinik Wien berief. Diese dementierte sofort (aponet.de berichtete.

Am Dienstagmittag meldete jedoch die Deutsche Presse-Agentur, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Menschen bei Verdacht auf eine Infektion mit dem neuen Coronavirus davon abrät, ohne ärztlichen Rat Ibuprofen einzunehmen. Es gebe zwar keine neuen Studien, aus denen hervorgehe, dass Ibuprofen mit höherer Sterblichkeit verbunden sei, sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier am Dienstag in Genf. Aber die Experten prüften zurzeit die Lage. "Wir raten, im Verdachtsfall Paracetamol und nicht Ibuprofen einzunehmen", sagte Lindmeier.

Diese Überprüfungen sind nun offenbar abgeschlossen, denn die WHO hat ihre Warnung mittlerweile wieder zurückgezogen. Über die bekannten Nebenwirkungen des Medikaments Ibuprofen bei bestimmten Bevölkerungsgruppen hinaus gebe es keine Hinweise auf negative Ibuprofen-Konsequenzen bei Covid-19-Patienten. "Auf der Basis der heute vorhandenen Informationen rät die WHO nicht von der Einnahme von Ibuprofen ab", meldet die Deutsche Presse-Agentur.

Auch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte mitgeteilt, dass es derzeit keine wissenschaftlichen Beweise über einen Zusammenhang zwischen einer Ibuprofen-Einnahme und einem schweren Verlauf einer Coronavirus-Infektion gebe. Laut EMA sollten für Covid-19-Patienten, die aufgrund von Schmerzen oder Fieber behandelt werden, alle verfügbaren Behandlungsoptionen, einschließlich Paracetamol und nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), zu denen auch Ibuprofen zählt, in Betracht gezogen werden.

Meldungen aus Frankreich und der Schweiz

In den letzten Tagen gab es zudem Meldungen in den Nachbarländern, die vor der Einnahme von Ibuprofen und anderen NSAR wie ASS, Naproxen, Ketoprofen oder Diclofenac bei grippalen Symptomen warnen und stattdessen Paracetamol empfehlen. Eine Nachfrage der Pharmazeutischen Zeitung bei der französischen Apothekerkammer ergab, dass die dortige Arzneimittelbehörde bereits im April 2019 vor schweren Komplikationen bei Atemwegsinfektionen bei Kindern und jungen Erwachsenen gewarnt hatte, wenn diese Ibuprofen oder Ketoprofen eingenommen hatten. Daher wird hier bereits seit knapp einem Jahr empfohlen, bei Schmerzen und Fieber im Zusammenhang einer Atemwegsinfektion Paracetamol zu bevorzugen.

Auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) der Schweiz nahm Stellung zur Ibuprofen-Frage: "Es gibt derzeit keine eindeutigen Hinweise darauf, dass diese Art von Medikamenten den Krankheitsverlauf verschlimmert. In Einzelfällen wurde beobachtet, dass sie zu einem schwereren Krankheitsverlauf führen. Bewiesen ist dies jedoch nicht. Überprüfungen dazu laufen. Bis zu einem Ergebnis empfehlen wir eine vorsichtige Haltung gegenüber dem Gebrauch von Medikamenten auf der Basis von Ibuprofen: Die Behandlung von Fieber ist allgemein nicht notwendig. Falls Sie Fieber haben und es Sie schwer beeinträchtigt, nehmen Sie besser ein Medikament auf Basis von Paracetamol", heißt es auf der Webseite der BAG.

Verordnete Medikamente nicht einfach absetzen

Alle weisen jedoch darauf hin, dass eine ärztlich verordnete Einnahme von Ibuprofen und anderen NRSA Medikamente nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt abgesetzt werden sollte, insbesondere bei chronisch kranken Patienten, die diese Medikamente dauerhaft nehmen müssen.

Dem schließt sich auch die EMA an: Den aktuellen Empfehlungen zufolge soll Ibuprofen in der niedrigsten wirksamen Dosis über einen möglichst kurzen Zeitraum eingesetzt werden. Es gebe derzeit keinen Grund, eine Behandlung mit Ibuprofen zu unterbrechen.

dh/PZ/NK


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