Akne ist mehr als ein paar Pickel: Entzündungen können Narben hinterlassen und für Betroffene auch psychisch sehr belastend sein. Eine aktualisierte Leitlinie soll die Behandlung nun stärker an die persönliche Situation anpassen – und erweitert zugleich die therapeutischen Möglichkeiten.

Bei Akne handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung der Talkdrüsenfollikel. Sie gehört zu den häufigsten Hautkrankheiten und betrifft vor allem Jugendliche, kann aber bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben. Die aktualisierte S2k-Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) richtet die Behandlung nun noch genauer nach Schweregrad und Erscheinungsbild aus. Gleichzeitig sollen persönliche Faktoren stärker berücksichtigt werden. Dazu zählen etwa die betroffene Körperregion, das Risiko für Narben, Alter, Lebensqualität, Schwangerschaft, Begleiterkrankungen und die Wünsche der Betroffenen.
„Akne ist aufgrund ihrer Sichtbarkeit für Erkrankte häufig sehr belastend“, sagt Prof. Claudia Borelli von der Universitäts-Hautklinik Tübingen. Eine fachgerechte und frühzeitige Behandlung sei auch wichtig, um bleibende Narben und dunkle Hautverfärbungen nach Entzündungen möglichst zu verhindern.
Eine wichtige Neuerung betrifft Frauen mit anhaltender oder hormonell beeinflusster Akne: Die Leitlinie nimmt den Wirkstoff Spironolacton als mögliche systemische Therapie auf. Das eigentlich als blutdrucksenkendes und entwässerndes Medikament eingesetzte Mittel wirkt auch gegen den Einfluss männlicher Geschlechtshormone.
Für die Aknebehandlung ist Spironolacton in Europa allerdings nicht zugelassen. Es handelt sich daher um einen sogenannten Off-Label-Einsatz. Nach Angaben der DDG kann die Behandlung beispielsweise infrage kommen, wenn andere systemische Therapien ungeeignet sind oder eine längerfristige Strategie benötigt wird.
Bei schwerer Akne, drohender ausgeprägter Narbenbildung oder wenn andere Behandlungen nicht ausreichend wirken, bleibt Isotretinoin eine wichtige Therapieoption. Der Wirkstoff kann nach Einschätzung der Leitliniengruppe sehr wirksam sein und häufiger zu einem längerfristigen Abklingen der Erkrankung führen.
Isotretinoin kann jedoch das ungeborene Kind schwer schädigen. Während Schwangerschaft und Stillzeit darf es deshalb nicht angewendet werden. Bei Patientinnen, die schwanger werden können, muss eine sichere Schwangerschaftsverhütung gewährleistet sein.
Als weitere äußerliche Behandlungsmöglichkeit nennt die Leitlinie Trifaroten. Das Retinoid kann unter anderem bei Akne im Gesicht und am Oberkörper sowie zur Langzeitbehandlung eingesetzt werden. Für den seit Juni 2026 in Deutschland erhältlichen Wirkstoff Clascoteron gibt die aktuelle Leitlinie dagegen noch keine konkrete Empfehlung.
Auch der Umgang mit Antibiotika wird präzisiert. Von einer alleinigen äußerlichen Behandlung mit Antibiotika rät die Leitlinie ab. Bei mittelschwerer bis schwerer entzündlicher Akne kann Doxycyclin eingesetzt werden. Antibiotika werden meist über mehrere Monate eingenommen und sollten mit anderen Aknetherapien kombiniert werden. Damit soll unter anderem der Entstehung antimikrobieller Resistenzen entgegengewirkt werden.
Die Leitlinie entstand unter Federführung der DDG gemeinsam mit weiteren Fachgesellschaften und Patientenvertreterinnen. Grundlage ist die europäische Leitlinie zur Aknebehandlung.
Quelle: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/013-017
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