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Antibabypille: Junge Frauen nehmen zu oft riskante Präparate

Natascha Koch  |  06.08.2021

Etwa jede dritte junge Frau bekommt die Antibabypille verordnet. Doch nur knapp die Hälfte von ihnen erhält ein Präparat der niedrigsten Risikostufe für Thrombosen, berichtet die Krankenkasse AOK.

Frau, hält Blister mit Antibabypille in der Hand.
Die Antibabypille kann das Risiko für eine Thrombose und Lungenembolie erhöhen. Einige Präparate sind dabei riskanter als andere.
© Jcomp/iStockphoto

Erstmals seit zehn Jahren sind die Verordnungszahlen für die Antibabypille wieder gestiegen, meldet die AOK. 2020 erhielten 35 Prozent der AOK-Versicherten ein Rezept für die Pille, das seien 3 Prozent mehr gegenüber dem historischen Tiefstand von 2019. Das geht aus einer aktuellen Analyse des Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) hervor.  Die Ursache für diesen Anstieg sei allerdings allein darauf zurückzuführen, dass die Altersgrenze für die Erstattung auf 22 Jahre angehoben wurde, erläutert Dr. Eike Eymers, Ärztin im Stab Medizin des AOK-Bundesverbands. Frauen, die älter sind als 22, erhalten die Antibabypille nur mit einem Privatrezept und fließen daher nicht in die Untersuchung mit ein.

Jede zweite junge Frau nimmt eine riskante Pille

Sorgen bereitet der AOK jedoch der unverändert relativ hohe Anteil von Präparaten mit einem erhöhten oder unklaren Risiko für Thrombosen und Embolien gegenüber den Pillen der niedrigsten Risikoklasse. Ihr Anteil sei von 2019 auf 2020 nur leicht von 54 auf 52 Prozent gesunken, jede zweite junge Frau nimmt demnach ein Präparat mit einem erhöhten oder unklaren Risiko für Thrombosen. „Dabei gibt es Alternativen, deren niedrigeres Risiko durch Langzeitstudien bekannt ist und auf die Ärztinnen und Ärzte gerade bei der Erstverordnung der Pille zurückgreifen sollten“, betont Eymers. „Insbesondere bei Mädchen und Frauen mit einem erhöhten Grundrisiko, zum Beispiel durch Übergewicht, sollten bevorzugt risikoärmere Wirkstoffe wie Levonorgestrel verordnet werden.“ Die AOK verweist dabei auf den aktuellen Appell auch der Zulassungsbehörden im „Bulletin für Arzneisicherheit“, worin neue Daten zum Thromboserisiko von Chlormadinon und Nomegestrol vorgestellt wurden.

So fiel laut AOK-Auswertung mit 36 Prozent ein großer Teil der Verordnungen für junge Frauen auf Dienogest-haltige Präparate – nur ein Prozentpunkt weniger als im Vorjahr. Der Anteil Chlormadinon-haltiger Verordnungen ging ebenfalls nur leicht zurück, von 11 auf 10 Prozent. Der Anteil der risikoärmeren Alternativen habe sich zwar zwischen 2010 und 2020 von knapp 30 auf 48 Prozent erhöht. „In den letzten Jahren waren aber nur noch geringfügige Verschiebungen in Richtung der risikoärmeren Wirkstoffe zu beobachten“, kritisiert Eymers.

Anzeichen für eine Thrombose sind starke Schmerzen oder Schwellungen sowie ein Spannungs- oder Schweregefühl im Bein. Auch ein bläulich-rote Verfärbung oder ein Glänzen der Haut am Bein können auf eine Thrombose hindeuten", so Eymers. Typische Symptome einer Lungenembolie seien plötzlich auftretende Kurzatmigkeit oder Atemnot, atemabhängiger Brustschmerz, Herzrasen oder unerklärlicher Husten.

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