Sicher und ohne negative Konsequenzen zu befürchten, soziale Situationen üben können? Das könnte Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen helfen, denen das Erkennen von Emotionen und angemessene Reagieren darauf schwerfällt. Eine solche Trainingsumgebung hat die Technische Universität Graz mit „Simville“ entwickelt. Dabei handelt es sich um eine Verbindung aus Virtual Reality und Künstlicher Intelligenz.
Was ist Simville?
Die virtuelle Umgebung Simville nutzt Virtual Reality, Spracherkennung und moderne Sprachmodelle, um soziale Situationen realitätsnah zu simulieren. Nutzerinnen und Nutzer können beispielsweise Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen oder Begegnungen in einem Café trainieren. Da alles in einer geschützten virtuellen Umgebung stattfindet, lassen sich solche Situationen ohne soziale Konsequenzen ausprobieren.
Spielerischer Ansatz mit kleinen Aufgaben, Geschichten und Feedback
Das Training folgt einem spielerischen Ansatz. Aufgaben, kleine Geschichten und direktes Feedback nach jeder Szene motivieren dazu, regelmäßig zu üben. Außerdem lässt sich die Anzahl der Reize individuell anpassen. Einsteigerinnen und Einsteiger können mit wenigen Eindrücken beginnen und diese schrittweise steigern – oder bei Überforderung wieder reduzieren.
Avatare reagieren auf Gespräche
Besonders wichtig ist die Kommunikation mit virtuellen Figuren. Nutzerinnen und Nutzer sprechen dabei ganz normal mit den Avataren. Die Spracherkennung wandelt das Gesagte in Text um, ein Sprachmodell erstellt eine passende Antwort, und der Avatar reagiert mit gesprochener Sprache. „Faszinierend war dabei, dass das Modell auch eine gewisse Emotion vermitteln konnte. Je nach Kontext des Gesprochenen ist durchaus der passende Unterton herauszuhören“, erklärt Christian Poglitsch von der TU Graz in der Mitteilung zur Veröffentlichung.
Viele Teilnehmenden fühlten sich sicherer
Eine erste Untersuchung mit 25 Teilnehmenden deutet auf positive Erfahrungen hin: Viele berichteten bereits nach wenigen Trainingseinheiten, dass sie sich in sozialen Situationen sicherer fühlten.
Künftig soll Simville im internationalen Projekt ETAP weiterentwickelt werden. Dabei wird die Simulation mit Sensorik kombiniert, um die Intensität der Erfahrung automatisch anzupassen. Langfristig planen die Forschenden, das System verfügbar zu machen, damit Betroffene damit trainieren können. Dennoch ist Poglitsch wichtig: „Unser System soll klassische Therapien nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen und verstärken.“
Quelle: DOI 10.1038/s41598-025-18608-4