Beziehung lernen: Video-Training für junge Erwachsene mit Behinderung

Elisabeth Kerler  |  26.03.2026 14:48 Uhr

Studie zeigt: Video-Training hilft jungen Erwachsenen mit Behinderung, romantische Situationen besser zu verstehen und sicher zu handeln.

Ein junger Mann im Rollstuhl blickt traurig.
Traurig, weil allein? Menschen mit intellektueller oder entwicklungsbezogener Behinderung konnten in einer Studie mit Videos Beziehungssituationen trainineren.
© Sviatlana Lazarenka/iStockphoto

Ein Video-Training kann jungen Erwachsenen mit geistigen und entwicklungsbedingten Behinderungen helfen, romantische Situationen besser einzuschätzen und sicherer zu handeln. Das zeigt eine Studie der Florida Atlantic University. Darauf weist die Florida Atlantic University hin.

Warum Aufklärung über Beziehungen wichtig ist

Menschen mit intellektuellen und entwicklungsbedingten Behinderungen (IDD) haben oft weniger Zugang zu Aufklärung über Beziehungen und Sexualität. Gleichzeitig besteht ein klarer Wunsch nach Nähe und Partnerschaft. Fehlende Angebote und gesellschaftliche Vorurteile erschweren jedoch häufig den Umgang mit romantischen Beziehungen.

Video-Training vermittelt wichtige Fähigkeiten

In der Studie wurde ein Trainingsprogramm mit 80 Videos eingesetzt. Diese zeigten sowohl passende als auch unpassende Verhaltensweisen in romantischen Situationen, etwa im direkten Kontakt oder online, sowohl durch Berührungen als auch verbal. Die Teilnehmenden übten anschließend, solche Situationen richtig einzuschätzen und angemessen zu reagieren. Das Ziel: sichere Entscheidungen im Umgang mit möglichen Partnerinnen und Partnern treffen.

Deutliche Fortschritte durch das Training

Die Ergebnisse zeigen klare Verbesserungen. Vor dem Training bewältigten die Teilnehmenden im Schnitt nur etwa 20 Prozent der Aufgaben korrekt. Während des Trainings stieg dieser Wert auf 76 Prozent. Auch nach Ende des Programms blieben weitgehend Fortschritte bestehen und lagen weiterhin deutlich über dem Ausgangsniveau, auch wenn sie leicht zurückgegangen waren. Damit konnte das Training helfen, sowohl sichere als auch riskante Situationen besser zu erkennen.

Lernen in geschützter Umgebung

Ein Vorteil des Video-Trainings: Es ermöglicht, sensible Themen in einem geschützten Rahmen zu üben. Gleichzeitig zeigte die Studie, dass besonders körperliche Situationen im direkten Kontakt weiterhin gezielte Unterstützung erfordern. Auch Angehörige wurden einbezogen. Das förderte Gespräche über Beziehungen und stärkte die Entscheidungsfähigkeit der Teilnehmenden.

Mehr Selbstbestimmung und Sicherheit

Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig passende Bildungsangebote sind: „Romantische und sexuelle Bildung ist kein Luxus – es ist ein fundamentaler Aspekt der Würde und der Unabhängigkeit für Erwachsene mit intellektuellen und entwicklungsbezogenen Behinderungen. Diese Studie zeigt, dass mit den richtigen Werkzeugen Betroffene lernen können, komplexe Beziehungssituationen sicher und selbstsicher zu bestehen“, erklärte Brianna Miller, Ph.D., Seniorautorin der Studie, in der Mitteilung. 

Das Video-Training könnte damit ein Modell für eine inklusivere Aufklärung sein – und dazu beitragen, dass Menschen mit Behinderungen in Beziehungen selbstbestimmt und informiert Entscheidungen treffen und so sicher gestalten können.

Quelle: DOI 10.1007/s11195-025-09925-7

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