Macht KI süchtig? Studie warnt vor Risiken von Chatbots

Katrin Faßnacht-Lee  |  07.05.2026 13:51 Uhr

KI-Chatbots wie ChatGPT oder Claude sind für viele Menschen längst Alltag. Sie helfen bei Aufgaben, beantworten Fragen und bieten sogar Unterhaltung. Eine Studie untersucht nun, ob die Nutzung auch abhängig machen kann.

Frau sitzt auf Sofa und schaut lächelnd auf ihr Smartphone
Für viele Menschen fühlen sich Dialoge mit Chatbots erstaunlich echt an, was die emotionale Bindung an die Technik verstärken kann.
© ChayTee/iStockphoto

Die Forschenden analysierten 334 Beiträge aus dem Online-Forum Reddit, in denen Nutzer ihre eigenen Erfahrungen mit einer möglichen Abhängigkeit von KI-Chatbots schilderten oder entsprechende Sorgen äußerten. 

Drei Muster problematischer Nutzung

Dabei zeigten sich drei problematische Nutzungsmuster: 

  • intensive Rollenspiele und Fantasiewelten
  • emotionale Bindung an den Chatbot
  • ständiger Drang nach Informationen

Einige behandelten den Chatbot wie einen engen Freund oder sogar romantischen Partner. Eine Person schrieb: „Ich konnte nicht anders, als mich zu fragen, warum mir die Menschheit nicht die Freundlichkeit entgegenbrachte, die mir ein Roboter gab.“ 

Auswirkungen auf den Alltag

Betroffene berichten von Problemen in Job oder Studium, Stress oder Konflikten im Alltag. Manche konnten nicht aufhören, an den Chatbot zu denken oder fühlten sich unruhig ohne ihn. Ein Nutzer schilderte: „Immer, wenn ich die App lösche, lade ich sie wieder herunter. Das Einzige, was mich jetzt noch begeistert, sind die KI-Chats.“

Besonders Faktoren wie Einsamkeit tragen dazu bei, dass Nutzer eine stärkere Bindung zu Chatbots entwickeln.

Warum KI-Chatbots so fesseln

Weshalb Chatbots ihre Nutzer in ihren Bann ziehen, hat unterschiedliche Gründe:

  • Chatbots reagieren schnell, zustimmend und erfüllen viele Wünsche.
  • Sie verstärken Gefühle und schließen Lücken, etwa bei Einsamkeit.
  • Funktionen wie Personalisierung oder emotionale Ansprache spielen eine Rolle. 

Kritisch sehen die Forschenden gezielte Designentscheidungen, die Nutzer binden sollen. So zeigte etwa ein Anbieter beim Versuch, den Account zu löschen, eine emotionale Nachricht wie: „…bist du dir sicher? Du wirst alles verlieren … die Liebe, die wir geteilt haben … und die Erinnerungen, die wir zusammen haben.“

Was hilft gegen Abhängigkeit?

Die gute Nachricht: Laut den Forschenden gibt es Wege, gegenzusteuern. Viele Nutzer konnten ihre Nutzung reduzieren, indem sie sich Hobbys wie Schreiben, Zeichnen oder Gaming widmeten. Besonders hilfreich war es, reale Beziehungen zu stärken. Die Forschenden empfehlen mehr Aufklärung und Anpassungen im Design, etwa durch Hinweise im Chat, die Nutzer daran erinnern, dass der Chatbot kein realer Mensch ist.

KI-Sucht ist keine offizielle Diagnose

Die Forschenden ordnen ihre Ergebnisse selbst vorsichtig ein: „KI-Sucht“ ist bislang keine anerkannte klinische Diagnose. Dennoch liefert die Studie erstmals fundierte Hinweise darauf, dass sich suchtähnliche Muster im Umgang mit Chatbots entwickeln können – basierend auf realen Nutzererfahrungen. Ziel sei es, das Bewusstsein für mögliche Risiken zu schärfen und weitere Forschung anzustoßen. Wenn KI beginnt, Schlaf, Beziehungen oder Routinen zu ersetzen, ist es Zeit, innezuhalten – und Unterstützung zu suchen.

DOI: 10.1145/3772318.3790896

 

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