Fördern hochverarbeitete Lebensmittel Verhaltensauffälligkeiten bei Dreijährigen? Diesen Verdacht untersuchten Forschende mit Daten von mehr als 2.000 Kindern.

Dreijährige, die mehr hochverarbeitete Lebensmittel aßen, hatten im Alter von fünf Jahren stärker ausgeprägte Verhaltensprobleme als Kinder, die weniger Fertigprodukte gegessen hatten. Das betraf laut einer Studie:
Das ist das Ergebnis einer Ernährungsdatenanalyse von 2077 Kindern aus Kanada. Dabei wurde der Verarbeitungsgrad der Lebensmittel erfasst. Das Forschungsteam maß das Verhalten der Kinder mithilfe eines etablierten Fragebogens, der „Child Behavior Checklist“ (CBCL) in der Vorschulversion: Ein höherer Wert steht dabei für ein größeres Maß an Verhaltensschwierigkeiten. Bei der Auswertung berücksichtigte das Team außerdem das Stressniveau der Mutter vor der Geburt, ihr Bildungsniveau und ihre eigene Ernährung, außerdem Geburtsparameter, Stilldauer, Geschwisterstatus, Haushaltseinkommen, körperliche Aktivität und den Body-Mass-Index (BMI) des Kindes.
Für die gesamte Gruppe der Fünfjährigen lagen die mittleren CBCL-Werte bei:
Dabei wies das Team nach: Umso höher der Anteil der hochverarbeiteten Lebensmittel war, desto höher waren auch die CBCL-Werte. So waren bei jeder Steigerung des Energieanteils aus ultraverarbeiteten Lebensmitteln um 10 Prozentpunkte die Werte höher für:
Das mag gering erscheinen. Allerdings machten hochverarbeitete Lebensmittel im Durchschnitt 45,5 Prozent der täglichen Energiezufuhr der Dreijährigen aus. So betont das Autorenteam: „Angesichts der hohen Prävalenz des UPF-Konsums können selbst geringe Zusammenhänge bedeutende Auswirkungen auf die Bevölkerung haben, insbesondere angesichts der Zusammenhänge zwischen psychischer und physischer Gesundheit“.
Das Forschungsteam berechnete statistisch, was passiert, wenn 10 Prozent der Energie aus den hochverarbeiteten Lebensmitteln durch minimal verarbeitete Lebensmittel ersetzt werden. Die Antwort ist für alle Verhaltensbereiche ähnlich: Der Ersatz führt rechnerisch zu niedrigeren CBCL-Werten und damit weniger Verhaltensauffälligkeiten. Dieser Befund liefert einen konkreten Ansatzpunkt für Prävention und Ernährungspolitik.
Besonders auffällig war: Kinder, die mehr gesüßte Getränke – gleich, ob künstlich oder mit Zucker – zu sich nahmen, hatten später höhere Werte für depressive Verstimmungen und im Gesamtverhalten. Für Brot- und Getreideprodukte aus industrieller Fertigung sowie Fertiggerichte fand das Forschungsteam einen ähnlichen Zusammenhang zu depressiven Verstimmungen. Allerdings deuteten die Daten über alle Produktkategorien hinweg auf Wirkmechanismen unabhängig von einzelnen Nährstoffen hin.
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