Magnesium bei Migräne: Hoffnungsträger mit Einschränkungen

Natascha SchleifRüdiger Freund  |  22.04.2026 15:39 Uhr

Migräne kann den Alltag massiv einschränken – viele Betroffene suchen nach gut verträglichen Möglichkeiten zur Vorbeugung. Magnesium gilt dabei als Hoffnungsträger. Doch was bringt die Einnahme und für wen lohnt sich ein Versuch?

Hochdosierte Nahrungsergänzung mit Magnesium könnte Migräne-Attacken vorbeugen.
© AndreyPopov/iStockphoto

Vielversprechend: Magnesium zur Migräneprophylaxe

Wer regelmäßig unter Migräne leidet, denkt früher oder später über eine vorbeugende Behandlung nach. Klassische Medikamente zur Migräneprophylaxe sind meist verschreibungspflichtig. Umso interessanter sind frei erhältliche Alternativen wie Magnesium. Die Idee dahinter: Der Mineralstoff könnte helfen, Häufigkeit und Stärke der Attacken zu reduzieren.

Ganz eindeutig ist die Studienlage allerdings nicht. Trotzdem sehen Experten Potenzial. Im „EviNews“-Newsletter, der sich mit evidenzbasierter Selbstmedikation befasst, heißt es: „Wenn Patientinnen und Patienten ein verschreibungsfreies Präparat zur Migräneprophylaxe wünschen, scheint Magnesium eine vielversprechende Option zu sein, die Migränehäufigkeit, -stärke und -länge der Attacken zu verringern.“

Was Studien zeigen – und wo die Grenzen liegen

Ein Blick in die Leitlinie zur Migräne zeigt: In mehreren Studien schnitt Magnesium besser ab als ein Placebo. Eingesetzt wurden dabei meist Tagesdosen von 500 bis 600 Milligramm, häufig in Form von Magnesiumoxid oder -citrat.

Das klingt zunächst vielversprechend. Allerdings gibt es einen Haken: Viele der Studien sind klein oder methodisch nicht optimal aufgebaut. Deshalb lassen sich noch keine klaren, allgemeingültigen Empfehlungen ableiten.

Nebenwirkungen: meist mild, aber nicht ausgeschlossen

Im Vergleich zu klassischen Migräne-Medikamenten gilt Magnesium als gut verträglich. Dennoch ist es kein komplett nebenwirkungsfreies Mittel. In Studien traten vor allem folgende Beschwerden auf:

  • Durchfall (bei rund 18,6 Prozent der Teilnehmenden)
  • Magenreizungen (bei etwa 4,7 Prozent)

Diese Nebenwirkungen sind meist mild, können aber im Alltag störend sein.

Für wen ist Migräneprophylaxe sinnvoll?

Nicht jeder Migränepatient braucht automatisch eine vorbeugende Behandlung. Laut Leitlinie kommt sie vor allem infrage, wenn:

  • drei oder mehr Attacken pro Monat auftreten
  • Anfälle länger als 72 Stunden dauern
  • Akutmedikamente nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden

In solchen Fällen lohnt es sich, gemeinsam mit einem Arzt über passende Optionen zu sprechen – dazu kann auch Magnesium gehören.

Mehr als Tabletten: Diese Maßnahmen helfen ebenfalls

Medikamente sind nur ein Baustein der Migräneprophylaxe. Viele Betroffene profitieren auch von nicht-medikamentösen Ansätzen. Dazu zählen:

  • Entspannungsverfahren wie progressive Muskelrelaxation
  • kognitive Verhaltenstherapie
  • Biofeedback
  • regelmäßiger Ausdauersport

Diese Maßnahmen können die Attackenhäufigkeit reduzieren – und stärken gleichzeitig das allgemeine Wohlbefinden.

Einen Versuch wert – mit realistischen Erwartungen

Magnesium ist eine vergleichsweise gut verträgliche Option für Menschen mit Migräne. Die aktuelle Datenlage zeigt Hinweise auf eine Wirkung, auch wenn noch mehr hochwertige Studien nötig sind.

Wer unter häufigen Attacken leidet und eine sanfte Alternative ausprobieren möchte, kann Magnesium in Absprache mit Arzt oder Apotheker testen – idealerweise eingebettet in ein ganzheitliches Behandlungskonzept.

WhatsApp Kanal Banner
Medikamente ohne Zuzahlung

Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.

Arzneimitteldatenbank

Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.

Podcast
Podcast-Logo "aponet in 3 Minuten"
Podcast

Im Fokus diesmal: Wie Extremwetter das Herz belastet, warum mehr Syphilis-Fälle auftreten und was es…

Krankheiten von A - Z

In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern

nach oben