Ein internationales Forschungsteam um Professor Minxue Shen von der Central South University hat untersucht, wie sich die Intensität von Bewegung auf die Gesundheit auswirkt. Über die Ergebnisse berichtet die European Society of Cardiology (ESC). Ein beteiligter Autor, Emmanuel Stamatakis, ist als Berater tätig und finanziell an einem Unternehmen beteiligt, das Produkte zur Förderung von körperlicher Aktivität entwickelt.
Bewegung gemessen – nicht abgefragt
An der Studie nahmen mehr als 96.000 Menschen mit einem Durchschnittsalter von 62 Jahren teil. Alle Teilnehmenden trugen eine Woche lang ein Messgerät am Handgelenk (Accelerometer), das ihre Bewegung erfasste – auch kurze, intensive Belastungen, wie etwa zum Bus zu rennen. Das Team analysierte Daten aus sieben Jahren zu acht verschiedenen Krankheitsbereichen und verglich sie mit Daten aus der UK-Biodatenbank:
Anschließend wurde untersucht, wie sich die Bewegungsmuster auf das Risiko für verschiedene Erkrankungen über mehrere Jahre auswirkten.
Kurze, intensive Aktivität mit Effekt
So stellte das Team fest: Wer mehr als vier Prozent seiner körperlichen Aktivität intensiv gestaltete, hatte ein deutlich geringeres Risiko für alle acht Krankheitsbilder. So hatte das Team errechnet: Im Vergleich zu einer Person ohne intensive Bewegung hatte jemand so einem größeren Anteil intensiver Bewegung ein um 63 Prozent verringertes Demenzrisiko, ein um 60 Prozent verringertes Typ-2-Diabetes-Risiko und ein um 46 Prozent geringeres Risiko, im Studienzeitraum zu sterben. Auch, wenn die Dauer der starken körperlichen Anstrengung moderat war, blieben diese Vorteile rechnerisch erhalten.
Allerdings schien der Einfluss der intensiven Aktivität nicht bei allen Erkrankungen gleich groß: Der Effekt war besonders deutlich bei den entzündlichen Erkrankungen wie Arthritis oder Psoriasis. Bei Diabetes und Lebererkrankungen spielte neben dem Aktivitätslevel auch die Dauer eine größere Rolle.
Studienautor erklärt, was im Körper passieren könnte
Studienautor Professor Minxue Shen von der Central South University in Hunan, China, erklärt in einer Mitteilung: „Starke, physische Aktivität scheint spezifische Reaktionen im Körper auszulösen, die durch weniger intensive Aktivität nicht vollständig in dieser Form auftreten.“ Bei intensiver Bewegung arbeite das Herz effizienter, die Gefäße blieben flexibler und der Körper nutze Sauerstoff besser. Zudem könnten entzündliche Prozesse reduziert werden. Auch im Gehirn würden Prozesse angeregt, die Nervenzellen schützen könnten.
So lässt sich intensive Bewegung leicht in den Alltag integrieren
Was bedeutet das für den Alltag? Erhebliche, gesundheitliche Vorteile kämen schon mit der intensiven Gestaltung eines Teils der körperlichen Aktivität, so Shen: „Schon kurze, intensive Aktivitätsphasen im Alltag, bei denen man leicht außer Atem kommt – wie z. B. zügiges Treppensteigen, schnelles Gehen zwischen Besorgungen oder aktives Spielen mit Kindern –, können einen echten Unterschied bewirken. Selbst 15 bis 20 Minuten pro Woche dieser Art von Anstrengung – also nur wenige Minuten am Tag – wurden mit spürbaren gesundheitlichen Vorteilen in Verbindung gebracht.“
Quelle: DOI 10.1093/eurheartj/ehag168/8537159