Weniger Blutdrucksenker ohne höhere Sterblichkeit
Die Zahl der Blutdrucksenker ließ sich bei den Studienteilnehmern deutlich verringern, ohne dass die Sterblichkeit zunahm. Nach einer Nachbeobachtungszeit von gut drei Jahren waren in der Gruppe mit reduzierter Behandlung 61,7 Prozent der Teilnehmer gestorben, unter der üblichen Behandlung waren es 60,2 Prozent. Dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant.
Gleichzeitig sank die durchschnittliche Zahl der eingenommenen Blutdrucksenker in der Reduktionsgruppe von 2,6 auf 1,5. In der Vergleichsgruppe ging sie von 2,5 auf 2,0 zurück. Der systolische Blutdruck lag bei reduzierter Behandlung im Verlauf durchschnittlich um 4,1 mmHg höher. Bei unerwünschten Ereignissen zeigten sich keine erkennbaren Unterschiede zwischen den Gruppen.
An der französischen RETREAT-FRAIL-Studie nahmen 1.048 gebrechliche Bewohner von Pflegeeinrichtungen im Alter ab 80 Jahren teil. Alle hatten einen systolischen Blutdruck unter 130 mmHg und nahmen mindestens zwei Blutdrucksenker ein. Per Zufall wurde bei 528 Teilnehmern die Medikation nach einem festgelegten Schema schrittweise reduziert. Die übrigen 520 erhielten ihre übliche Behandlung. Die Anpassungen der Medikamente erfolgten unter ärztlicher Kontrolle.
Wer von weniger Medikamenten profitieren könnte
Für viele ältere Menschen könnte das relevant sein. Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der verordneten Medikamente häufig an. Jede zusätzliche Arznei kann das Risiko für Wechselwirkungen erhöhen und die tägliche Einnahme komplizierter machen.
Die Forschenden weisen darauf hin, dass sich Bluthochdruck im hohen Alter von Bluthochdruck bei jüngeren Menschen unterscheiden kann. Im Fokus der Untersuchung standen besonders gebrechliche, hochbetagte Personen, die in klinischen Studien bislang oft unterrepräsentiert waren. Die Studienergebnisse wurden im Fachjournal New England Journal of Medicine veröffentlicht.
Beim Blutdruck zählt im hohen Alter mehr als der Messwert
Nach Einschätzung von Studienleiter Professor Dr. Athanase Benetos sollten deshalb Nutzen und mögliche Risiken einer Blutdrucktherapie regelmäßig überprüft werden. Nicht allein die erreichten Blutdruckwerte seien entscheidend. Auch die allgemeine Gesundheit, die persönliche Lebenssituation und die individuellen Therapieziele müssten berücksichtigt werden. Wichtig: Bluthochdruckmedikamente sollten nie eigenmächtig abgesetzt werden.
DOI: 10.1056/NEJMoa2508157