Krankheitsbild
Botulismus ist eine seltene, aber sehr ernste Erkrankung, die durch ein starkes Nervengift ausgelöst wird. Das sogenannte Botulinum-Neurotoxin wird von Bakterien der Gattung Clostridium produziert, vor allem von Clostridium botulinum. Am häufigsten wird Botulismus durch Lebensmittel ausgelöst, etwa durch kontaminierte Konserven aus eigener Herstellung. Bei Säuglingsbotulismus steht Honig als Auslöser im Verdacht. Eine Vergiftung mit dem Nervengift führt zu Muskellähmungen, die bis zu einem tödlichen Atemstillstand führen kann.
Symptome/Verlauf
Typischerweise äussert sich Botulismus durch neurologische Störungen, die mit Sehstörungen wie Doppelt- oder Verschwommensehen beginnen und weiter fortschreiten können. Auch Mundtrockenheit, Sprech- und Schluckstörungen treten häufig auf. Im Verlauf können Lähmungen der Muskulatur zum Beispiel an Armen, Beinen und im Nacken auftreten. Auch der Magen-Darm-Trakt kann in Form von Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung betroffen sein. Besonders gefährlich wird es, wenn die Atemmuskulatur gelähmt wird, da dies zu lebensbedrohlicher Atemschwäche führen kann. Bei speziellen Formen wie dem Säuglingsbotulismus zeigt sich neben Schwäche und Schluckproblemen auch Trinkschwäche und verzögerte Entwicklung. Beim sogenannten Wundbotulismus, der vornehmlich durch Spritzen von Drogen entsteht, kann Fieber auftreten.
Folgen/Komplikationen
Ohne rechtzeitige Behandlung können die Muskellähmungen so weit fortschreiten, dass lebenswichtige Funktionen ausfallen. Eine Lähmung der Atemmuskulatur kann zum Versagen der Atmung führen, was ohne medizinische Intervention tödlich endet. Der Verlust des Hustenschutzreflexes kann dazu führen, dass Mageninhalt in die Lunge gelangt und eine schwere Lungenentzündung verursacht.
Ursachen/Risikofaktoren
Die Hauptursache für Botulismus ist die Aufnahme des Botulinum-Neurotoxins über kontaminierte Lebensmittel. Bakterien wie Clostridium botulinum bilden diese Gifte in sauerstoffarmen Bedingungen, typischerweise in selbst hergestellten oder unsachgemäss konservierten Lebensmitteln wie Gemüse- oder Fleischkonserven. Bestimmte Praxisfehler beim Konservieren, zum Beispiel mangelnde Hygiene oder unzureichendes Erhitzen, erhöhen das Risiko der Toxinbildung in Lebensmitteln. Auch Wundinfektionen mit den Sporen der Bakterien können zu einer lokalen Toxinbildung und damit zum Krankheitsbild führen. Wundbotulismus tritt unter anderem bei injizierendem Drogenkonsum auf. Bei Säuglingen kann der Erreger sich im Darm ausbreiten und dort Toxin bilden, weil die Darmflora noch nicht vollständig entwickelt ist.
Das kann helfen
Um Botulismus vorzubeugen, ist es wichtig, Lebensmittel sicher zu konservieren: Beim Einkochen oder Einmachen sollten Vorschriften zur Hitze- und Zeitbehandlung beachtet werden, damit mögliche Sporen und Toxine zerstört werden. Besonders bei selbst eingelegtem Gemüse, Oelen oder Kräuter-Produkten ist Vorsicht geboten, da hier ohne richtige Verfahren die Toxinbildung gefördert wird. Ausserdem gehört eine gute Küchenhygiene dazu, also saubere Arbeitsflächen, sorgfältiges Erhitzen und keine Verwendung von verdächtigen Konserven.
Das macht der Arzt:
Die Diagnose Botulismus kann anhand von Symptomen sowie die Untersuchung von Blut und Speiseresten gemacht werden. In der Klinik erfolgt eine Behandlung mit Gegengift und häufig eine Unterstützung der Atmung. Zudem erfolgt eine Überwachung der Muskelfunktion und andere unterstützende Massnahmen, um Komplikationen zu verhindern.
Das kann man selbst tun: Um Botulismus vorzubeugen, ist es wichtig, Lebensmittel sicher zu konservieren: Beim Einkochen oder Einmachen gilt es hygienisch zu arbeiten und die Lebensmittel über 85 Grad Celsius zu erhitzen. Das Botulinum-Neurotoxin wird durch Erhitzen über 85 Grad Celsius für mehrere Minuten zerstört. Sporen können jedoch überleben. Aufgeblähte Dosen und nicht verschlossene Einmachgläser können ein Hinweis auf Botulismus sein. Diese Konserven immer ungeöffnet entsorgen. Bei Verdacht auf Botulismus (siehe Symptome) unverzüglich einen Arzt aufsuchen. Quellenangabe:
Hahn, Kaufmann, Schulz, Suerbaum, Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Springer, (2009), 6.Auflage
Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.