Wer sein Cholesterin checken lässt, bekommt fast immer den LDL-Wert. Ein anderer Blutwert kann das persönliche Herzrisiko in manchen Fällen genauer erfassen. Dennoch wird er bislang nur selten bestimmt. Was hinter Apolipoprotein B (apoB) steckt und für wen er sich lohnen könnte.

Zu hohe Cholesterinwerte zählen zu den wichtigsten Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall. Um es einzuschätzen, bestimmen Ärztinnen und Ärzte meist das LDL-Cholesterin, oft „schlechtes" Cholesterin genannt. Eine aktuelle US-Studie lenkt den Blick nun auf einen anderen Wert, der das Risiko genauer erfassen könnte: Apolipoprotein B, kurz apoB.
Der Unterschied liegt darin, was gemessen wird: Das LDL-Cholesterin gibt an, wie viel Cholesterin in den LDL-Teilchen steckt – also wie viel Fracht ein einzelnes „Cholesterin-Schiff“ geladen hat. ApoB dagegen zählt die Zahl der schädlichen Partikel – also wie viele „Schiffe“ insgesamt unterwegs sind. Dabei handelt es sich um genau jene Teilchen, die sich in den Gefäßwänden ablagern und dort zu Verengungen führen können.
Das kann entscheidend sein, denn beide Werte spiegeln nicht immer dasselbe Bild. Manche Menschen haben viele kleine, cholesterinarme Partikel. Ihr LDL-Wert wirkt dann unauffällig. Die eigentliche Gefahr, die hohe Zahl der Partikel, bleibt so unentdeckt. Genau solche Fälle erkennt apoB zuverlässiger.
Ein Forschungsteam der Northwestern University in den USA hat in einer Computersimulation mit Daten von 250.000 Erwachsenen drei Strategien verglichen, um die Cholesterinbehandlung zu steuern: nach LDL, nach dem sogenannten Non-HDL-Cholesterin oder nach apoB. Das Ergebnis: Richtete sich die Behandlung nach apoB, ließen sich mehr Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindern als mit den beiden anderen Werten.
Auch hierzulande ist das LDL-Cholesterin der Standard und wird von den gesetzlichen Kassen übernommen. ApoB lässt sich zwar in nahezu jedem Labor bestimmen, gehört aber nicht zur Routine. Meist wird der Wert nur auf Wunsch als Selbstzahlerleistung gemessen und kostet dann in der Regel um die 20 Euro plus die ärztliche Leistung.
Anders als in den USA hat die für Deutschland maßgebliche europäische Leitlinie apoB aber bereits aufgewertet. Fachgesellschaften empfehlen den Wert inzwischen ausdrücklich für bestimmte Gruppen, bei denen das LDL-Cholesterin das Risiko schlecht abbildet, etwa bei Diabetes, starkem Übergewicht, erhöhten Triglyceriden oder sehr niedrigem LDL.
Wichtig zur Einordnung: ApoB ist nicht schlicht „besser" als LDL, sondern liefert zusätzliche Information. Für viele Menschen mit unauffälligen Werten und geringem Risiko reicht der übliche LDL-Test völlig aus. Wer aber Risikofaktoren wie Diabetes, Übergewicht oder eine familiäre Vorbelastung für Herzinfarkte mitbringt, könnte von einer apoB-Bestimmung profitieren, weil sie das persönliche Risiko schärfer abbildet.
Ob der Wert im Einzelfall sinnvoll ist, lässt sich am besten in der Arztpraxis klären. Wer unsicher ist, kann dort gezielt nachfragen, ob eine apoB-Messung zusätzlich zum üblichen Cholesterintest weiterhelfen würde.
Quelle: DOI 10.1001/jama.2026.2986
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