Cholesterinsenker: Statine sind bei vielen Patienten nicht optimal eingestellt

Pharmazeutische ZeitungRüdiger Freund  |  01.04.2026 15:37 Uhr

Cholesterinsenker wie Statine gelten als wirksamer Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall. Dennoch nehmen viele Patienten ihre Medikamente nicht dauerhaft ein oder erhalten keine angepasste Therapie. Neue Daten zeigen: Hier steckt großes Potenzial für eine bessere Versorgung.

Ärztin hält ihrer Patientin einen Papierbogen hin und spricht mit ihr.
Besprechung der Blutfettwerte? Statine würden häufig verschrieben, aber die Therapie dann nicht mehr angepasst.
© nortonrsx/iStockphoto

LDL-Cholesterin senken: Schlüssel zur Herzgesundheit

Millionen Menschen in Deutschland nehmen Medikamente gegen erhöhte Blutfettwerte ein – meist sogenannte Statine. Diese Arzneimittel senken gezielt das LDL-Cholesterin, oft als „schlechtes Cholesterin“ bezeichnet. Ein hoher LDL-Wert gilt als zentraler Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Ziel der Behandlung ist es, die LDL-Werte deutlich zu reduzieren – besonders bei Menschen mit hohem oder sehr hohem Risiko. Doch genau hier zeigt sich in der Praxis ein Problem.

Studie zeigt: Leitlinien-Ziele werden selten erreicht

Ein Forschungsteam der Universitätsklinik Leipzig hat die Versorgung von 247.529 gesetzlich Versicherten untersucht. Alle hatten ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Analysiert wurden Verordnungen aus den Jahren 2016 bis 2022.

Das Ergebnis der Forschenden fällt ernüchternd aus: “Obwohl wirksame Medikamente zur Senkung des LDL-Cholesterins zur Verfügung stehen, erreicht nur eine Minderheit der Patienten die von den Leitlinien empfohlenen Behandlungsziele.”

Zwar lagen ihnen keine konkreten Laborwerte vor, dennoch sehen sie klaren Verbesserungsbedarf. Ihr Fazit:
“Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass es ein großes Potenzial gibt, das Erreichen der LDL-C-Zielwerte zu verbessern."

Therapie anpassen: Oft zu spät oder gar nicht

Ein zentraler Punkt: Die Behandlung wird selten optimiert. Nur bei 4,7 Prozent der Patienten wurde die Statintherapie im Verlauf angepasst oder umgestellt. Dabei empfehlen Fachleitlinien oft eine frühzeitige Kombinationstherapie, wenn die Zielwerte nicht erreicht werden. Eine intensivere Behandlung könnte vielen Patienten helfen, ihr Risiko deutlich zu senken.

Viele brechen die Behandlung ab

Noch auffälliger ist die geringe Therapietreue: Nach sechs Jahren nahm nur etwa jeder vierte Patient weiterhin Statine ein (26,6 Prozent). Ein Grund dafür könnte die Skepsis gegenüber den Medikamenten sein. Studien zeigen einen sogenannten Nocebo-Effekt: Patienten erwarten Nebenwirkungen – und erleben sie dann tatsächlich, selbst bei wirkstofffreien Präparaten. Die Experten betonen jedoch, dass der Nutzen klar belegt ist: Statine schützen zuverlässig vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Therapie vereinfachen: Ein wichtiger Hebel

Um die langfristige Einnahme zu verbessern, setzen Fachleute auf einfache Lösungen. Weniger Einnahmezeitpunkte und Kombinationspräparate könnten helfen, die Therapie alltagstauglicher zu machen. Das Ziel ist klar: Patienten sollen ihre Medikamente regelmäßig einnehmen und so ihr Risiko nachhaltig senken können.

Quelle: DOI 10.1007/s00392-025-02686-5

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