Chronische Rückenschmerzen: Warum viele Therapien nur kurzfristig helfen

Wolf Löchel  |  03.07.2026 10:10 Uhr

Akupunktur, Massage, Bewegung: Bei chronischen Rückenschmerzen lindern viele Behandlungen die Beschwerden, aber der Effekt hält oft nur wenige Wochen. Die bislang größte Auswertung zeigt, was das für Betroffene bedeutet, und räumt mit einer verbreiteten Annahme auf.

Frau legt Hände auf Rücken einer sitzenden Frau
Physiotherapie kann chronische Rückenschmerzen lindern – der Nutzen vieler Behandlungen hält laut einer großen Analyse jedoch häufig nur wenige Wochen an.
© stefanamer/iStockphoto

Chronische Rückenschmerzen zählen weltweit zu den häufigsten Gründen für Beschwerden und Arbeitsausfälle. Behandelt wird meist ohne Operation, mit Bewegung, manueller Therapie, Massage, Akupunktur oder Medikamenten. Wie gut diese Verfahren wirken und vor allem wie lange, hat nun ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Hochschule Bochum untersucht. 

Wie gut wirken die gängigen Rückenschmerz-Therapien?

Das Team wertete 551 Studien mit über 71.000 Patientinnen und Patienten aus, überwiegend mit unspezifischem Kreuzschmerz. Das Ergebnis: Viele Behandlungen lindern Schmerzen und verbessern die Beweglichkeit spürbar, darunter Akupunktur, Bewegungstraining, manuelle Therapie, Massage, Elektrotherapie und multidisziplinäre Schmerzprogramme.

Das Ganze hat nur einen Haken: die Zeit. Der Nutzen zeigt sich vor allem kurzfristig, mit dem größten Effekt nach etwa zehn Wochen. Das entspricht ziemlich genau dem Ende der jeweiligen Behandlung. Nach rund einem Jahr war dann kein Verfahren mehr deutlich wirksamer als gar keine Behandlung. Zwar blieben bei einzelnen Methoden noch geringe Unterschiede messbar, doch sie waren zu klein, als dass Betroffene sie tatsächlich als Linderung gespürt hätten.

Aktiv oder passiv: Spielt die Methode eine Rolle?

Ein zweites Ergebnis überrascht, weil es der verbreiteten Annahme widerspricht, dass vor allem aktive Verfahren bei Rückenschmerzen helfen. Aktive Verfahren wie Bewegungstraining und passive wie Massage oder manuelle Therapie wirkten der Studie zufolge ähnlich gut. Ein klarer Sieger unter den Methoden zeigte sich nicht.

Für die Forschenden legt das einen bemerkenswerten Schluss nahe: Wenn so unterschiedliche Ansätze ähnlich abschneiden, zählt womöglich weniger der spezifische Wirkmechanismus einer einzelnen Methode als vielmehr allgemeine Faktoren wie die Zuwendung in der Behandlung oder der natürliche Verlauf der Beschwerden. Diese Deutung ist allerdings eine Einordnung der Autoren, kein direkter Messwert.

Wie belastbar sind die Ergebnisse?

Bei aller Größe der Auswertung mahnen die Forschenden zur Vorsicht. Die Aussagekraft der zugrunde liegenden Studien stuften sie überwiegend als niedrig bis sehr niedrig ein, vor allem wegen uneinheitlicher Ergebnisse und methodischer Schwächen der Einzelstudien. Die Befunde sind also ein starker Hinweis, aber kein endgültiges Urteil über einzelne Verfahren.

Was bedeutet das für Betroffene?

Wichtig ist, das Ergebnis nicht misszuverstehen: Die Therapien helfen, nur eben meist nicht dauerhaft. Wer unter akuten Beschwerden leidet, kann von einer Behandlung also durchaus profitieren. Für den langfristigen Umgang mit chronischen Rückenschmerzen legt die Studie aber nahe, weniger auf die eine perfekte Einzelbehandlung zu setzen und mehr auf eine dauerhafte Strategie.

Studienleiter Daniel Belavy plädiert dafür, chronische Rückenschmerzen ähnlich zu behandeln wie andere Dauererkrankungen, etwa Bluthochdruck oder Diabetes: mit langfristiger Begleitung, Aufklärung und einem aktiven Umgang im Alltag, statt mit kurzen, immer wiederkehrenden Behandlungszyklen. Welche Bausteine dabei am besten tragen, müssen künftige Studien noch klären.

Quelle: DOI 10.1136/bmjmed-2025-001908

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