Wer an der Darmkrebs-Früherkennung teilnimmt, könnte sein Risiko, an der Erkrankung zu sterben, deutlich senken. In einer großen schwedischen Untersuchung des Karolinska Instituts und der Universität Umeå lag das errechnete Sterberisiko der Teilnehmer 43 Prozent niedriger als bei vergleichbaren Nichtteilnehmern. Sie hatten Daten eines Vorsorgeprogramms in Stockholm und Gotland ausgewertet. In die Untersuchung flossen Daten von mehr als 376.000 Menschen ein. Während der Nachbeobachtungszeit starben 1.668 von ihnen an Darmkrebs.
In Schweden werden Menschen im Alter von 60 bis 74 Jahren alle zwei Jahre zur Darmkrebs-Früherkennung eingeladen. Dafür erhalten sie ein Testset für zu Hause. Die Stuhlprobe wird dann auf kleinste, mit bloßem Auge nicht sichtbare Blutmengen untersucht. Lässt sich Blut nachweisen, folgen weitere Untersuchungen, meist eine Darmspiegelung.
26 Prozent geringeres Sterberisiko bei den Eingeladenen
Die Forschenden verglichen Menschen, die zwischen 2008 und 2012 zum Darmkrebs-Screening eingeladen worden waren, mit einer Kontrollgruppe, die erst später oder gar keine Einladung erhalten hatte. Eine Einladung zum Screening war nach statistischer Berücksichtigung verschiedener Einflussfaktoren bereits mit einem um 26 Prozent geringeren Risiko verbunden, an Darmkrebs zu sterben.
Noch deutlicher war der Unterschied bei denjenigen, die tatsächlich am Screening teilnahmen: Ihr Risiko, an Darmkrebs zu sterben, war rechnerisch um 43 Prozent geringer.
„Obwohl das Screening kostenlos angeboten wird und der Test einfach durchzuführen ist, schickt etwa ein Drittel der Menschen keine Probe ein“, sagt Studienautor Johannes Blom vom Karolinska Institutet. Die Ergebnisse unterstrichen, wie wichtig es sei, das Angebot tatsächlich wahrzunehmen.
Warum die 43 Prozent mit Vorsicht zu lesen sind
Die große Zahl der Teilnehmenden, die lange Beobachtungszeit und die umfangreichen schwedischen Gesundheitsregister zählen zu den Stärken der Studie. Allerdings beruht insbesondere die Abschätzung des Nutzens bei den tatsächlichen Teilnehmenden auf statistischen Anpassungen. Die 43 Prozent sind kein direkt beobachteter Unterschied zwischen Teilnehmern und Nichtteilnehmern. Sie sollten als Schätzung des Zusammenhangs verstanden werden und nicht als exakt bestimmbarer Effekt für den einzelnen Teilnehmer.
Darmkrebs-Früherkennung in Deutschland ab 50
Auch in Deutschland haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf eine Darmkrebs-Früherkennung. Seit April 2025 gelten für Frauen und Männer die gleichen Angebote: Ab 50 Jahren können sie zweimal im Abstand von zehn Jahren eine Darmspiegelung durchführen lassen. Dabei lassen sich mögliche Krebsvorstufen direkt entdecken und entfernen.
Wer keine Darmspiegelung zur Früherkennung machen lassen möchte, kann alternativ ab 50 Jahren alle zwei Jahre einen Stuhltest durchführen. Er weist nicht sichtbares Blut im Stuhl nach und kann zu Hause angewendet werden. Bei einem auffälligen Ergebnis besteht Anspruch auf eine Darmspiegelung zur weiteren Abklärung. Stuhltests sind unter anderem in hausärztlichen, gynäkologischen, urologischen und internistischen Praxen erhältlich.
Quelle: DOI 10.1001/jamanetworkopen.2026.29856