Weniger Blutdrucksenker im hohen Alter: Studie zeigt, für wen das möglich sein könnte

Peter Erik Felzer  |  28.08.2026 13:25 Uhr

Bei hochbetagten, gebrechlichen Pflegeheimbewohnern kann es sinnvoll sein, Blutdrucksenker unter ärztlicher Kontrolle zu reduzieren. Eine Studie mit mehr als 1.000 Teilnehmern mit Bluthochdruck zeigt: Innerhalb von drei Jahren stiegen dadurch weder die Zahl der Todesfälle noch die der schweren Herz-Kreislauf-Ereignisse.

Eine Pflegerin gibt einem alten Mann Tabletten und ein Glas Wasser.
Eine Studie mit hochbetagten Pflegeheimbewohnern zeigt: Die Reduktion von Blutdruckmedikamenten unter ärztlicher Kontrolle kann sinnvoll sein.
© Paperkites/iStockphoto

Weniger Blutdrucksenker: Risiko stieg innerhalb von drei Jahren nicht

An der französischen RETREAT-FRAIL-Studie nahmen mehr als 1.000 Bewohner von Pflegeeinrichtungen teil. Untersucht wurden hochbetagte, gebrechliche Pflegeheimbewohner mit einem systolischen Blutdruck unter 130 mmHg. Die Teilnehmenden wurden per Zufall einer von zwei Behandlungsstrategien zugeordnet: Eine Gruppe setzte die bisherige Blutdrucktherapie unverändert fort, in der anderen Gruppe wurde die Medikation schrittweise reduziert. Die Anpassungen erfolgten nach einem festgelegten Protokoll und unter regelmäßiger ärztlicher Überwachung.

Nach drei Jahren zeigte sich kein Unterschied bei den Todesfällen oder bei schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen zwischen den beiden Gruppen. Die Studienergebnisse wurden im renommierten Fachjournal New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Warum Ärzte die Blutdrucktherapie im hohen Alter neu bewerten können

Für viele ältere Menschen könnte das relevant sein. Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der verordneten Medikamente häufig an. Jede zusätzliche Arznei kann das Risiko für Wechselwirkungen erhöhen und die tägliche Einnahme komplizierter machen.

Die Forschenden weisen darauf hin, dass sich Bluthochdruck im hohen Alter von Bluthochdruck bei jüngeren Menschen unterscheiden kann. Im Fokus der Untersuchung standen besonders gebrechliche, hochbetagte Personen, die in klinischen Studien bislang oft unterrepräsentiert waren.

Beim Blutdruck zählt im hohen Alter mehr als der Messwert

Nach Einschätzung von Studienleiter Professor Dr. Athanase Benetos sollten deshalb Nutzen und mögliche Risiken einer Blutdrucktherapie regelmäßig überprüft werden. Nicht allein die erreichten Blutdruckwerte seien entscheidend. Auch die allgemeine Gesundheit, die persönliche Lebenssituation und die individuellen Therapieziele müssten berücksichtigt werden. Wichtig: Bluthochdruckmedikamente sollten nie eigenmächtig abgesetzt werden.

DOI: 10.1056/NEJMoa2508157

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