Gesundheit

Dengue-Fieber: Tropenviren auch am Mittelmeer

NAS  |  06.09.2023

Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, manchmal auch ein sonnenbrandähnlicher Hautausschlag – Beschwerden wie diese sollten Reisende und Reiserückkehrer auch an eine Infektion mit Dengue-Viren denken. Seit einigen Jahren kommt es auch in europäischen Ländern wie Kroatien, Frankreich, Italien oder Spanien immer wieder zu vereinzelten Dengue-Infektionen, berichtet das CRM Centrum für Reisemedizin.

Junge Frau, sitzt auf einer Bank.
Durch den Klimawandel sind tropische Mückenarten mittlerweile auch in einigen europäischen Ländern zu finden.
© Jun/iStockphoto

Tropische Mückenarten wie die Gelbfiebermücke und die Asiatische Tigermücke kommen längst nicht mehr nur in tropischen Ländern vor. Durch Reiseverkehr und Klimawandel haben sich Populationen dieser Insekten mittlerweile auch in den europäischen Mittelmeerländern etabliert – samt den verschiedenen Viren, die sie übertragen können. Auf der vor der marokkanischen Küste liegenden, zu Portugal gehörenden Insel Madeira ist das Virus mittlerweile sogar endemisch.

Erst in den vergangenen Tagen wurde eine vor Ort erworbene Dengue-Infektion in der italienischen Region Lombardei bestätigt, zudem gibt es dort einen weiteren Verdachtsfall. Dies sind die ersten in Italien erworbenen Infektionen seit 2020, als in der Region Venetien fünf Übertragungen registriert wurden. „Seit 2010 werden in südeuropäischen Ländern regelmäßig einzelne Übertragungen des Dengue-Virus registriert“, sagt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM. Die Tropenmücken kämen mittlerweile sogar auch weiter nördlich vor – etwa in Deutschland und den Niederlanden – eine Übertragung von Dengue-Viren sei aus diesen Ländern bislang jedoch nicht bekannt.

Große Bandbreite an Symptomen

Bei allen Angaben zu Dengue-Infektionen ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt als die Zahl der offiziell gemeldeten Erkrankungsfälle. Denn nur rund jede vierte Infektion macht sich überhaupt durch Krankheitssymptome bemerkbar. Die Symptome sind vielfältig, erläutert CRM-Experte Jelinek: Es reiche von einem unspezifischen fieberhaften Infekt bis hin zu einem schweren Verlauf mit Schleimhautblutungen, Schock und dem Versagen lebenswichtiger Organe.

Der typische Dengue-Verlauf sieht folgendermaßen aus: Nach einer kurzen Inkubationszeit von vier bis sieben Tagen (in Einzelfällen bis zu 14 Tagen) beginnt die Erkrankung meist plötzlich mit hohem Fieber, starken Gliederschmerzen und Kopfschmerzen, die hinter den Augen lokalisiert sind. Oft entwickeln die Betroffenen auch einen flächigen Hautausschlag, der leicht mit einem Sonnenbrand verwechselt werden kann. „Meist hört das Fieber nach vier bis fünf Tagen von selbst wieder auf und verläuft keinesfalls chronisch“, sagt Jelinek. Anhaltendes oder in Schüben verlaufendes Fieber spreche gegen eine Dengue-Diagnose, ebenso wie Krankheitssymptome, die erst mehr als zwei Wochen nach dem Urlaub auftreten.

Bei den meisten Patienten klingen die Symptome nach wenigen Tagen bis einer Woche wieder ab. Bei rund einem Prozent entwickle sich ein schwerer Verlauf mit Schock, Gerinnungsstörungen, Blutungen und Multiorganversagen. „Verursacht werden diese schweren, zum Teil lebensbedrohlichen Symptome durch ein sogenanntes Kapillarleck, bei dem die feinsten Blutgefäße durchlässig werden und Flüssigkeit aus dem Blut ins Gewebe austritt“, erläutert Jelinek.

Um den fünften Krankheitstag herum sollte daher verstärkt auf Warnsignale für einen schweren Verlauf geachtet werden. „Dazu zählen unter anderem Bauchschmerzen, anhaltendes Erbrechen, Luftnot, Schleimhautblutungen, eine vergrößerte Leber, aber auch Verhaltensänderungen wie eine Lethargie oder Unruhe“, sagt der Experte. Solche schweren Verläufe treten meist erst nach der zweiten Dengue-Infektion auf. „Bei Erstinfektion sind sie sehr selten“, so Jelinek.

Impfung und Prävention vor Mückenstichen

Seit einigen Jahren steht mit Dengvaxia ein erster Impfstoff gegen das Dengue-Fieber zur Verfügung. Dieser ist für Menschen zwischen 9 und 45 Jahren zugelassen, die in Endemiegebieten wohnen und bereits eine erste Dengue-Infektion hinter sich haben. Seit diesem Jahr gibt es einen weiteren Impfstoff ohne diese Beschränkungen: Qdenga wurde von der Europäischen Arzneimittel Agentur EMA auch für Reisende ab vier Jahren zugelassen, sein Einsatz ist außerdem nicht an eine vorangehende Infektion gebunden.

Ob mit oder ohne Impfung: Auf einen effektiven Schutz vor den überwiegend tagaktiven Aedes-Mücken sollten Reisende auf keinen Fall verzichten. Repellents, die es unter anderem in der Apotheke gibt, sollten auch tagsüber auf Haut und Kleidung aufgetragen werden. Auch Mückengitter vor dem Fenster und/oder Moskitonetze über dem Bett helfen, Stiche zu vermeiden. Diese Maßnahmen schützen nicht nur vor Dengue, sondern auch vor allen anderen mückenübertragenen Erkrankungen.

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