Baby & FamilieGesundheit

"Er fragte, ob der Diabetes für immer bleibt."

Katrin Faßnacht-Lee  |  16.09.2021

Die Diagnose Diabetes stellt jeden vor große Herausforderungen. Aber wie erleben Eltern, deren Kind betroffen ist, den Umgang mit der Krankheit? Eine Mutter berichtet, wie alles angefangen hat, was bis heute schwerfällt und wofür sie dankbar ist.

Anya Schmidt-Rüngeler mit ihrem Sohn.
Anya Schmidt-Rüngeler gemeinsam mit ihrem Sohn Max. Im Alter von vier Jahren hat Max die Diagnose Typ-1-Diabetes bekommen.
© privat

"Die Diagnose Typ-1-Diabetes bekamen wir vier Tage vor Max viertem Geburtstag am späten Abend im Krankenhaus. Er hatte einen Blutzuckerwert von 541 mg/dl", erinnert sich Anya Schmidt-Rüngeler an den Tag, der das Leben ihrer Familie verändern sollte. Vorausgegangen waren Wochen der Unsicherheit. Max machte wieder vermehrt nachts in die Windel, sonst fiel zunächst nichts auf. "Aber schließlich wurde es so massiv, dass wir nachts zweimal wechseln mussten", berichtet die Mutter. "Als er in der Nacht vor der Diagnose aufstand, um zu trinken, war mir klar, da stimmt etwas nicht."

Ins neue Leben finden

Da in der Familie schon Typ-1-Diabetes vorkam, hatte Schmidt-Rüngeler eine Vorahnung. Eine Internetrecherche bekräftigte den Verdacht. Doch am nächsten Tag hatte die Kinderärztin zu, ein eilig besorgtes Blutzuckermessgerät zeigte nur "hoch" an und die Unsicherheit stieg. Am Abend entschlossen sich die Eltern, ins Krankenhaus zu fahren. "Max hatte keine anderen Symptome und außer dem Blutzucker waren alle Werte okay. Dennoch wurde er noch in der Nacht in eine andere Klinik mit Diabetes-Station verlegt, und uns wurde mitgeteilt, dass wir nun zwei Wochen bleiben müssten", so die Mutter. Wie belastend diese Zeit tatsächlich war, wurde den Eltern erst nach und nach bewusst. "Für uns war das eine absolute Schocksituation", erinnert sich die 46-Jährige. "Damals haben wir beide viel gearbeitet. Glücklicherweise war das Verständnis seitens der Arbeitgeber sehr hoch, sodass wir beide an den Diabetes-Schulungen teilnehmen konnten." Auch heute betreuen die Eltern Max Hand in Hand. Dennoch wurde schnell klar, dass ein Elternteil nun zeitlich flexibler sein und mehr Zeit für Max haben müsste. "Ich hatte schon vorher überlegt, mich beruflich zu verändern. Der Diabetes hat uns aber dann gezwungen, anders zu leben." Die veränderten Prioritäten und das neue Leben als selbstständige Food-Bloggerin sieht Schmidt-Rüngeler heute aber auch als großes Glück: "Wir sind als Familie sehr stark zusammengewachsen. Auch wenn es komisch klingt, war es auch für mich eine Chance, etwas zu verändern." Besonders wichtig ist beiden Eltern, Max noch nicht zu stark in die Verantwortung zu nehmen. Er soll langsam in das Leben mit Diabetes hineinwachsen. Schmidt-Rüngeler: "Er darf toben und weitestgehend essen, was er möchte, und wir schauen im Hintergrund, dass alles funktioniert."

Wie Technik und Menschen helfen

Unterstützung bekam die Familie in den vergangenen zwei Jahren vor allem von Max Kindergärtnerinnen. "Sie haben sich beide schulen lassen. Und wenn Max jetzt im Kindergarten ist, wissen wir, er ist gut betreut." Auch im Alltag stehen der Familie Freunde zur Seite. Doch Schmidt-Rüngeler weiß inzwischen auch: "Die Sorge und die Belastung, die man nebenbei ständig trägt, kann einem niemand abnehmen. Die Behandlung ist nicht unkompliziert. Man muss sich damit beschäftigen und reindenken. Was andere von außen unterstützen können, ist sehr limitiert."

Dankbar ist die Mutter über die Hilfe durch die moderne Technik. Max hat eine Insulinpumpe und ein kontinuierliches Glukosemessgerät. Das sendet alle fünf Minuten Messergebnisse an ein Lesegerät oder Smartphone. "So hat Max mehr Freiheiten, kann auch mal mit einem Freund im Zimmer spielen, ohne dass ich zum Messen reinkomme." Auch die Nächte seien mit dem System ruhiger geworden. Ein Blick auf das Display auf dem Nachttisch genügt. Bei zu hohen oder tiefen Werten warnt außerdem ein Alarm.

Und wie erlebt Max seine Erkrankung? "Vor einem Jahr hat er einmal gefragt, ob der Diabetes nun immer bleibt. Als wir ja sagten, hat er geweint", berichtet Schmidt-Rüngeler. Doch er habe gelernt, den Diabetes zu akzeptieren. Die Eltern zeigen ihm Vorbilder mit Typ-1-Diabetes, wie den Fußballspieler Nacho von Real Madrid oder den Olympiasieger im Gewichtheben, Matthias Steiner. "Max soll nie das Gefühl haben: Ich kann das nicht machen, weil ich Diabetes habe", gibt sich seine Mutter kämpferisch.

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