Babys mit stark vergrößerten Harnblasen: In einer Studie operierte sie ein Forschungsteam bereits im ersten Schwangerschaftstrimester. Der frühe Eingriff könnte Überleben und Nierenfunktion betroffener Babys verbessern.

Eine Operation im ersten Schwangerschaftsdrittel klingt für viele abschreckend – kann jedoch bei einer bestimmten Fehlbildung dazu beitragen, die Überlebenschancen zu erhöhen und eine Dialyse zu vermeiden. Das ist das Ergebnis einer Studie. Darin war ein operativer Eingriff bei 40 Schwangerschaften untersucht worden, bei denen die Ungeborenen stark vergrößerte Harnblasen entwickelten – fachlich „fetale Megazystis“.
Diese Veränderung tritt laut Forschungsteam bei etwa 0,06 Prozent der Schwangerschaften im ersten Trimester auf, also bei rund 6 von 10.000. Ursache ist häufig eine Fehlbildung der Harnwege, die kongenitale untere Harnwegsobstruktion (cLUTO). Dabei kann der Urin nicht richtig abfließen.
Dr. Stefan Kohl von der Uniklinik Köln erklärt in einer Mitteilung zur Studie: „Bei der cLUTO ist der Harnabfluss des ungeborenen Kindes blockiert. Der dadurch entstehende Druck führt bereits im Mutterleib zu einer erheblichen Überdehnung der Harnwege. Der dauerhaft erhöhte Druck kann die sich entwickelnden Nieren frühzeitig schädigen. Gleichzeitig fehlt Fruchtwasser, das überwiegend aus fetalem Urin besteht und für die normale Lungenreifung unverzichtbar ist. Eine unzureichende Lungenentwicklung war daher bislang häufig mit einer hohen Sterblichkeit nach der Geburt verbunden.“
Um den Druck auf die Harnwege zu verringern, setzten die Ärztinnen und Ärzte einen Shunt, also eine Art kleinen Ablauf für die Harnblase des Fötus. Dieser Eingriff wird vesikoamniale Shunt-Anlage genannt. In früheren internationalen Studien erfolgte diese Operation meist erst im zweiten Schwangerschaftsdrittel. Dabei zeigte sich jedoch kein klarer Vorteil für das Überleben oder die spätere Nierenfunktion der Kinder.
Die nun untersuchte Methode wird früher verwendet. Dr. Eva Weber von der Uniklinik Köln erläutert dazu: „Die nun untersuchte Strategie setzt deutlich früher an: Mithilfe eines neuen, besonders filigranen Shunts konnte der Eingriff sicher bereits am Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels durchgeführt werden – zu einem Zeitpunkt, an dem der Fetus etwa die Länge eines Hühnereis hat.“
Für die Studie operierte das Team 40 Schwangere, deren ungeborenen Kinder fetale Megazystis hatten.
Die Ergebnisse:
Diese Zahlen deuten darauf hin, dass eine frühe Operation im Mutterleib die Chancen der betroffenen Kinder verbessern kann.
Zur Einordnung: Die Forschenden erklären, dass schwere Formen der fetalen Megazystis ohne Behandlung häufig bereits vor der Geburt zum Verlust des Kindes führen. Betroffene Babys, die zur Welt kommen, haben oft unreife Lungen und stark geschädigte Nieren. Allerdings ist auch der Eingriff nicht frei von Risiken: Bei 55 Prozent der Mutter-Kind-Paare kam es zu Komplikationen im Zusammenhang mit der Shunt. In drei Fällen waren sie dem Tod des Kindes vor der Geburt verbunden.
Dr. Weber schlussfolgert: „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass dieser Ansatz die Grundlage für eine bessere spätere Nierenfunktion schaffen kann. Wenn es gelingt, die Nierenentwicklung frühzeitig zu stabilisieren, können wir nicht nur die Überlebenschancen verbessern, sondern auch langfristige Folgen wie eine Dialysepflicht reduzieren.“
Quelle: DOI 10.1016/S2352-4642(26)00011-8
Wähle aponet.de als eine bevorzugte Nachrichtenquelle bei Google und entdecke unsere aktuellen Gesundheitsnews häufiger in deinen News-Empfehlungen.
Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.
Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.
Im Fokus diesmal: Lithiumhaltige Nahrungsergänzungsmittel, Luftbelastung durch duftende Putzmittel…
aus Apotheke, Forschung und Gesundheitspolitik.
In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern