GenussBeratung

Grapefruit, Koffein, Milch & Co: Lebensmittel können Medikamente stören

LAK Hessen  |  05.05.2023

Wechselwirkungen können nicht nur zwischen verschiedenen Medikamenten auftreten. Auch Lebensmittel interagieren zum Teil mit Arzneimitteln und verstärken oder schwächen die Wirkung. Darauf weist die Landesapothekerkammer Hessen hin.

Grapefruit auf einem Teller.
Der Bitterstoff der Grapefruit kann den Abbau vieler Arzneistoffe in der Leber hemmen.
© 5second/iStockphoto

Grapefruit

Die Grapefruit gilt als sehr gesundes Nahrungsmittel. Allerdings kann sie mit zahlreichen Medikamenten interagieren und deren Nebenwirkungen auslösen oder verstärken. Der Bitterstoff Furanocumarin sorgt für den typischen Geschmack der Grapefruit und ihrer Verwandten Pomelo. Dieser Bitterstoff und einige andere Bestandteile der Frucht können den Abbau vieler Arzneistoffe in der Leber hemmen. Dadurch bleibt zu viel Wirkstoff im Blut, was Nebenwirkungen verursachen kann. Patienten sollten daher während einer Medikamententherapie oder wenn sie dauerhaft Medikamente einnehmen müssen, entweder komplett auf den Verzehr von Grapefruit (auch als Saft) verzichten bzw. den Verzehr mit dem Apotheker klären.

Welche Medikamente mit Grapefruit interagieren, zeigt diese Liste bei aponet.de.

Kaffee, Cola und Energydrinks

Zahlreiche Medikamente können den Abbau von Koffein im Körper erschweren, wodurch dessen aufputschende Wirkung verstärkt wird. Wer also Kaffee oder koffeinhaltige Erfrischungsgetränke mag, sollte ebenfalls abklären, ob während der Medikamententherapie der Konsum von koffeinhaltigen Getränken eingeschränkt werden soll, um schlaflose Nächte, heftiges Schwitzen und Herzrasen zu verhindern. Für einige Medikamente gibt es Alternativen, welche die Verstoffwechselung von Koffein nicht hemmen.

Koffein hingegen hemmt unter anderem den Abbau von Theophyllin, ein Wirkstoff, der bei Atemwegserkrankungen wie Asthma und COPD eingesetzt wird, was zu Nervosität, Schlaflosigkeit und Herzrhythmusstörungen führen kann. Kaffee und schwarzer Tee enthalten zudem Gerbstoffe, welche die Aufnahme einiger Medikamente im Darm behindern.

Milchprodukte und Mineralwasser

Milchprodukte wie Käse, Quark und Joghurt sowie bestimmte Mineralwässer enthalten Kalzium, das für die Knochengesundheit von großer Bedeutung ist. Wenn jedoch bestimmte Arzneimittel, z.B. Antibiotika wie Ciprofloxacin, Norfloxacin und Doxycyclin oder Osteoporosemittel wie Alendronsäure oder Risedronsäure oder das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin, eingenommen werden, können sie im Magen mit dem Kalzium aus den Milchprodukten schwerlösliche Verbindungen bilden. Dies führt dazu, dass der Körper die Medikamente nicht gut aufnehmen kann und ihre Wirkung schwächer wird. Ein Großteil der Wirkstoffe wird dann einfach wieder im Darm ausgeschieden, ohne die erwünschte Wirkung erzeugen zu können. Um dies zu vermeiden, sollten Sie solche Medikamente eine gewisse Zeit vor oder nach dem Essen einnehmen, wie es im Beipackzettel angegeben ist. Wählen Sie zudem für die Medikamenteneinnahme grundsätzlich kalziumarmes Mineralwasser.

Alkohol

Alkohol – vor allem in größeren Mengen – verursacht die meisten unerwünschten Wechselwirkungen, insbesondere in Kombination mit Arzneimitteln wie Schlaf- und Beruhigungsmitteln oder Psychopharmaka, die das zentrale Nervensystem beeinflussen. Eine gegenseitige Verstärkung der Wirkung kann unter Umständen zu lebensbedrohlichen Zuständen wie Atem- oder Herzstillstand führen. Der Abbau von Medikamentenwirkstoffen wird durch Alkoholkonsum verlangsamt, was zu einer verlängerten Wirkungsdauer und einem erhöhten Risiko für Vergiftungen führen kann. Bei der Einnahme von Antibiotika kann bereits eine geringe Menge Alkohol unerwünschte Nebenwirkungen wie Hautrötungen, Übelkeit oder Herzrasen auslösen, während Paracetamol in Kombination mit Alkohol eine besonders schädliche Wirkung auf die Leber haben kann. Daher sollte die gleichzeitige Einnahme von Alkohol und Medikamenten vermieden werden.

Ernährungsgewohnheiten besprechen

Ballaststoffe können ähnlich wie Kalzium einige Medikamente binden. Auch sehr proteinreiche oder fettreiche Mahlzeiten und weitere Lebensmittel können mit bestimmten Medikamenten interagieren. „Lesen Sie bei jedem Arzneimittel, das Sie verschrieben bekommen, den Beipackzettel aufmerksam durch“, sagt Apothekerin Ursula Funke, Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen. „Auch wenn Sie in der Apotheke ausführlich über die richtige Einnahme gesprochen haben, tauchen manche Fragen erst zu Hause auf. Scheuen Sie sich nicht, dann bei Unklarheiten Ihre Apothekerin oder Ihren Apotheker vor Ort anzusprechen. Wir wollen, dass Ihr Arzneimittel die für Sie gewünschte Wirkung entfalten kann.“

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