Gesundheit

Guillain-Barré-Syndrom: Nervenkrankheit nach der Corona-Impfung?

Natascha Koch  |  15.07.2021

Kribbeln und Taubheit in den Armen und Beinen, Muskelschwäche und Lähmungserscheinungen: Diese Symptome kann das Guillain-Barré-Syndrom hervorrufen. Dabei handelt es sich um eine Nervenerkrankung, die nach einer viralen oder bakteriellen Infektion auftreten kann. Mediziner haben das Syndrom in seltenen Fällen auch nach der Coronavirus-Impfung beobachtet.

Frau, hält ihre Wade mit beiden Händen.
Kribbeln und ein Taubheitsgefühl in den Beinen sind die ersten Symptome, die auf das Guillain-Barré-Syndrom hinweisen können.
© perfectlab/iStockphoto

Die Impfreaktionen und unerwünschten Nebenwirkungen, die nach der Corona-Impfung auftreten, werden weltweit von Gesundheitsbehörden streng protokolliert und überwacht. Für Deutschland ist das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) dafür zuständig und gibt in regelmäßigen Abständen einen Sicherheitsbericht zu den Impfstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca und Johnson & Johnson heraus.

Im letzten Bericht wies das PEI auf seltene Fälle des Guillain-Barré-Syndroms (GBS) hin: Dabei handelt es sich um eine Entzündung von Nerven, die mit Lähmungen einhergeht. Insgesamt wurden 39 Verdachtsfälle an das PEI gemeldet, wobei die 14 Fälle, die mit größter Sicherheit diagnostiziert wurden, alle in Zusammenhang mit Vaxzevria standen, dem Impfstoff der Firma AstraZeneca.

Auch aus den USA kam nun eine Meldung der Arzneimittelbehörde FDA, die ähnliche, sehr seltene Fälle nach der Gabe des Impfstoffes von Johnson & Johnson verzeichnet hat. Das Risiko sei insgesamt jedoch sehr gering, und ein kausaler Zusammenhang mit den Impfstoffen noch nicht ausreichend belegt. Trotzdem soll der Beipackzettel des Impfstoffs künftig einen Warnhinweis erhalten. Auch die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) meldet sich zu Wort: „Insgesamt ist das GBS-Risiko durch die Impfung gegen SARS-CoV-2 nach heutigem Kenntnisstand als sehr gering einzustufen - und wir haben zum Glück eine wirksame Therapie dieses Krankheitsbilds zur Verfügung", so Professor Peter Berlit, DGN-Generalsekretär.

Lähmungen und extreme Muskelschwäche

Beim GBS handelt es sich um eine Nervenerkrankung, die in seltenen Fällen nach einer Virus- oder Bakterieninfektion auftreten kann. Mediziner gehen davon aus, dass es sich dabei um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der sich das Immunsystem irrtümlich gegen den eigenen Körper richtet. Im Fall des Guillain-Barré-Syndroms sind die Nerven betroffen, ein erstes Warnzeichen sind Kribbeln und ein Taubheitsgefühl in den Beinen, Armen oder im Gesicht. Es kann auch zu Lähmungserscheinungen führen, die sich von den Beinen nach oben hin ausbreiten. In schlimmen Fällen ist davon auch die Atmung betroffen, was die Erkrankung lebensbedrohlich macht. Die Betroffenen erhalten zur Therapie entweder hochdosiert intravenös Immunglobuline oder es erfolgt ein Blutreinigungsverfahren, bei dem die krankheitsauslösenden Autoantikörper herausgefiltert werden. Oft dauert es viele Wochen, bis sich die Symptome zurückbilden, bei einigen Patienten bleiben dauerhaft neurologische Beschwerden bestehen.

Die FDA weist auf folgende Warnzeichen hin:  

  • Schwäche in Armen und Beinen
  • Schwierigkeiten beim Gehen
  • Schwierigkeiten bei Bewegungen des Gesichts (auch beim Kauen, Sprechen und Schlucken)
  • Schwierigkeiten, Blase und Darm zu kontrollieren
  • Schwierigkeiten, die Augen zu bewegen, und Doppeltsehen

Wer diese Symptome bei sich bemerkt, sucht am besten einen Arzt auf. In den der FDA gemeldeten Fällen traten sie meist innerhalb von 42 Tagen nach der Impfung auf.

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