Handschrift als Warnsignal: Was das Schreiben über das Gehirn verrät

Peter Erik Felzer  |  20.05.2026 11:58 Uhr

Veränderte Handschrift könnte auf kognitive Probleme hinweisen, so eine Studie. Auch das Schreibtempo kann aussagekräftig sein.

Ein älterer Herr schreibt etwas in ein Notizbuch.
Handschrift als Warnsignal? Mithilfe von Diktaten entdeckten Forscher Hinweise auf kognitive Probleme.
© Jose Gonzalez Buenaposada/iStockphoto

Wenn die Handschrift langsamer oder unkoordinierter wird, könnte das mehr bedeuten als nur nachlassende Motorik. Eine neue Studie zeigt, warum Schreibtempo ein möglicher Hinweis auf kognitive Probleme sein kann.

Bei älteren Menschen mit kognitiven Einschränkungen verändert sich die Handschrift messbar – besonders dann, wenn die Aufgabe geistig anspruchsvoll ist. Das betrifft vor allem das Schreibtempo, die Organisation der Striche und den Zeitpunkt, an dem der Schreibprozess beginnt. Alltägliche Schreibsituationen, etwa das Notieren eines Satzes, könnten daher Hinweise liefern, ob das Gehirn stärker gefordert ist als früher.

Schreibtempo besonders aussagekräftig

Schreiben ist mehr als Motorik. Es verlangt gleichzeitig Denken, Planen, Erinnern und Bewegen. Die Studie zeigt: Einfache Aufgaben wie Linien oder Punkte zeichnen unterscheiden gesunde ältere Menschen nicht von jenen mit kognitiven Einschränkungen. Komplexere Aufgaben, besonders Diktate, offenbaren dagegen deutliche Unterschiede.

Mit Diktaten getestet

Bei Diktaten müssen mehrere Prozesse parallel laufen: zuhören, Sprache verarbeiten, Wörter in Schrift umsetzen und Bewegungen koordinieren. Genau hier zeigten sich klare Abweichungen bei Teilnehmenden mit kognitiver Beeinträchtigung.

Die im Fachjournal Frontiers in Human Neuroscience veröffentlichte experimentelle Studie umfasste 58 ältere Erwachsene zwischen 62 und 92 Jahren, davon 38 mit diagnostizierter kognitiver Beeinträchtigung. Sie schrieben auf einem digitalen Tablet verschiedene Aufgaben – von einfachen Linien bis zu komplexen Sätzen.

Was war besonders auffällig?

Besonders aussagekräftig waren:

  • Startzeit (Dauer bis zum ersten Strich)

  • Anzahl der Striche

  • Dauer und vertikale Größe der Schrift

Diese Merkmale unterschieden die Gruppen vor allem bei anspruchsvolleren Diktaten.

Bedeutung für den Alltag

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass digitale Schreibtests künftig helfen könnten, kognitive Veränderungen früher zu erkennen. Für den Alltag heißt das jedoch nicht, dass jeder langsamere Satz ein Warnsignal ist. Die Studie zeigt lediglich Zusammenhänge, keine Ursachen. Allerdings war die die Teilnehmerzahl der Studie relativ klein und auf Pflegeheime beschränkt. Medikamente oder andere Einflussfaktoren wurden nicht berücksichtigt. Zudem ist die Methode noch neu und muss in größeren, vielfältigeren Gruppen bestätigt werden.

Die Handschrift könnte ein Fenster ins Gehirn sein – aber noch kein Diagnosewerkzeug für zu Hause. Wer Veränderungen bemerkt, sollte sie ärztlich abklären lassen und seine Behandlung nicht eigenständig anpassen.

Quelle: DOI 10.3389/fnhum.2026.1820193 

WhatsApp Kanal Banner
Medikamente ohne Zuzahlung

Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.

Arzneimitteldatenbank

Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.

Podcast
Podcast-Logo "aponet in 3 Minuten"
Podcast
Senioren

Im Fokus diesmal: Wie Eier das Demenzrisiko senken, Online Coaching bei Asthma und was ein Krafttest…

Krankheiten von A - Z

In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern

nach oben