Ginkgo bei Demenz: Was bringt der Extrakt fürs Gedächtnis?

Pharmazeutische Zeitung  |  17.02.2026 07:51 Uhr

Hilft Ginkgo bei Demenz? Studien weisen auf leichte Vorteile bei bestehenden Symptomen hin. Bei milder kognitiver Beeinträchtigung bleibt der Effekt unklar.

Ginkgo-Blätter neben einer offenen Extrakt-Flasche ohne Ettikett und auf einem Haufen feinen Pulvers.
Ginkgo-Extrakte werden seit langem bei Gedächtnisproblemen angepriesen.
© joanna wnuk/iStockphoto

Kann Ginkgo-Extrakt bei Gedächtnisproblemen helfen? Eine aktuelle Cochrane-Analyse liefert neue Hinweise: Bei leichter bis mittelschwerer Demenz zeigen sich kleine bis mäßige Verbesserungen. Bei Vorstufen der Demenz fällt das Ergebnis dagegen zurückhaltender aus.

Was wurde untersucht?

Ein Forschungsteam um Professor Dr. Lisa Wieland von der Georgetown Universität wertete 72 randomisierte Studien mit 9.783 Personen aus. Untersucht wurden Ginkgo-biloba-Extrakte bei leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) und bei Demenz. In den meisten Studien lag die Tagesdosis bei 240 mg. Ziel war es, Nutzen und mögliche Risiken im Vergleich zu Scheinmedikament (Placebo) oder anderen Behandlungen zu bewerten.

Leichte Demenz: Kleine Vorteile möglich

Für Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz wurden 13 Studien mit 3.288 Teilnehmenden ausgewertet. Nach sechs Monaten zeigten sich unter Ginkgo:

  • bessere kognitive Werte
  • leichte Verbesserungen bei Alltagsaktivitäten
  • ein etwas günstigerer klinischer Gesamteindruck

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Ginkgo bei bestehender Demenz kleine bis mäßige Vorteile bringen kann. Die Unterschiede wurden anhand von Skalen gemessen..

Milde, kognitive Beeinträchtigung: Kein klarer Nutzen nachweisbar

Bei milder kognitiver Beeinträchtigung (MCI), die als mögliche Vorstufe einer Demenz gilt, zeigte sich ein anderes Bild. Zwölf Studien mit 1.913 Personen ergaben nach sechs Monaten kaum Unterschiede zu Placebo – weder beim allgemeinen Zustand noch bei Gedächtnisleistung oder Alltagskompetenz. Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass Ginkgo bei MCI wahrscheinlich wenig oder keinen Einfluss auf diese Bereiche hat.

Dazu meldete sich ein Ginkgo-Extrakt-Hersteller zu Wort: Die zur Bewertung verwendeten Skalen seien nicht sensitiv genug, um leichte kognitive Einschränkungen zu erfassen. Auch seien Studien mit positiven Wirksamkeitsergebnissen bei MCI-Patienten nicht berücksichtigt worden

Verträglichkeit und Einordnung

Sowohl bei Demenz als auch bei MCI fanden sich keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko schwerer Nebenwirkungen. Insgesamt traten unter Ginkgo nicht mehr unerwünschte Ereignisse auf als unter Placebo. 

Auch wenn die Ergebnisse geringe bis mäßige Vorteile andeuten, weisen die Autoren darauf hin, dass es schwierig sei, eine eindeutige Schlussfolgerung zu ziehen, da einzelne Studien zu unterschiedlichen Einschätzungen hinsichtlich des Nutzens gelangt seien. Die wissenschaftliche Grundlage wird insgesamt als nur niedrig sicher eingeschätzt.

Was bedeutet das für Betroffene?

Für Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz kann ein Ginkgo-Extrakt nach ärztlicher Rücksprache eine Option sein, um Symptome etwas zu verbessern. Bei MCI ist ein klarer Nutzen derzeit nicht belegt. Wer über eine Einnahme nachdenkt, sollte dies gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprechen.

Quelle: DOI 10.1002/14651858.CD013661.pub2

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