Warum Vitamin B12 für das Gehirn wichtig ist
Vitamin B12 spielt eine zentrale Rolle für Nerven, Gehirn und Stoffwechsel. Ein Mangel kann unter anderem Konzentrationsprobleme und Gedächtnisstörungen begünstigen. Trotzdem war bisher unklar, ob der Vitamin-B12-Status über viele Jahre hinweg tatsächlich beeinflusst, wie schnell geistige Fähigkeiten im Alter nachlassen.
Eine Studie mit Langzeitdaten
In einer aktuellen Studie werteten Forschende die Daten von knapp 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der bekannten Framingham-Herzstudie aus. Die Personen waren zu Beginn durchschnittlich 60 Jahre alt und frei von Demenz. Über rund 14 Jahre hinweg wurden wiederholt Blutwerte und umfangreiche kognitive Tests erhoben. Im Unterschied zu anderen Studien bestimmten die Forschenden einen kombinierten Vitamin-B12-Wert, der Messungen mehrerer Substanzen im Blut zusammenführt und damit den Versorgungsstatus genauer abbildet.
Das zentrale Ergebnis: Langsamerer geistiger Abbau
Menschen mit den höchsten Vitamin-B12-Werten zeigten einen deutlich langsameren Abbau von Gedächtnis, exekutiven Funktionen und Sprache als Personen mit niedrigen Werten. Über zehn Jahre entsprach der Unterschied etwa dem geistigen Vorteil eines halben Lebensjahres. Der Effekt war klein, aber statistisch belastbar und über verschiedene Analysen hinweg stabil.
Kleine Effekte mit großer Bedeutung für Alltag und Prävention
Kognitive Veränderungen entwickeln sich schleichend über Jahrzehnte. „Die Studie deutet darauf hin, dass ein über viele Jahre hinweg guter Vitamin-B12-Spiegel, von der Lebensmitte bis ins hohe Alter, helfen kann, den geistigen Abbau im Alter zu verlangsamen“, schreiben die Studienautoren. Schon kleine Verzögerungen könnten daher auf Bevölkerungsebene einen spürbaren Unterschied machen. Vor allem, weil Vitamin B12 gut messbar ist und Ernährung sowie Nahrungsergänzungen den Spiegel beeinflussen können.
Starke Hinweise auf einen Zusammenhang
„Die Effekte sind zwar eher klein, aber messbar. Sie passen gut zu dem, was man über Demenz weiß: Die Erkrankung entwickelt sich schleichend, durch viele kleine Veränderungen, die sich über lange Zeit aufsummieren“, so das Autorenteam um Francesca Marino von der Universität Boston. Die Untersuchung zeige jedoch lediglich einen Zusammenhang, keinen direkten Beweis für Ursache und Wirkung. Sie liefere aber starke Hinweise, dass eine gute Vitamin-B12-Versorgung Teil eines gesunden Lebensstils für das Gehirn sein kann. Weitere Studien müssen klären, ob gezielte Verbesserungen des B12-Status das Demenzrisiko tatsächlich senken, schreibt das Autorenteam.
Quelle: DOI: 10.1002/alz.70864