Kann Joghurt das Darmkrebs-Risiko senken? Große Studie liefert neue Hinweise

Wolf Löchel  |  22.07.2026 10:03 Uhr

Menschen, die regelmäßig Joghurt oder andere probiotische Lebensmittel konsumierten, hatten in einer großen US-Studie deutlich seltener eine Darmkrebs-Vorgeschichte. Ob tatsächlich der Joghurt schützt oder etwas ganz anderes dahintersteckt, lässt die Untersuchung allerdings offen.

ältere Frau isst Joghurt
Joghurt und eine ballaststoffreiche Ernährung gelten als günstig für den Darm.
© JackF/iStockphoto

Die Auswertung von mehr als 9.000 Erwachsenen ergab: Menschen, die Joghurt, Prä- oder Probiotika konsumierten, hatten deutlich seltener eine Darmkrebs-Vorgeschichte. Erst danach stellt sich die entscheidende Frage: Handelt es sich um einen echten Schutzeffekt oder lediglich um einen Hinweis auf einen insgesamt gesünderen Lebensstil?

Menschen mit regelmäßigem Joghurtkonsum hatten seltener Darmkrebs

Die Forschenden griffen auf eine große US-Gesundheitsbefragung zurück und verglichen Menschen, die Joghurt, Präbiotika oder Probiotika konsumierten, mit solchen, die darauf verzichteten. Das Ergebnis: Unter den Konsumenten fanden sich deutlich weniger Menschen mit einer früheren Darmkrebsdiagnose. In der Auswertung war die Wahrscheinlichkeit für Darmkrebs etwa halb so hoch, auch nachdem die Forschenden Faktoren wie Alter, Geschlecht, Gewicht, Rauchen und Ballaststoffzufuhr herausgerechnet hatten.

Warum die Studie kein Beweis für eine Schutzwirkung ist

Die Daten zeigen einen klaren Zusammenhang, beantworten aber nicht die entscheidende Frage, ob tatsächlich der Joghurt dafür verantwortlich ist. Der Grund liegt in dem Aufbau der Studie: Sie erfasst nur eine Momentaufnahme und kann Zusammenhänge aufzeigen, aber keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen nachweisen.

Der entscheidende Haken der Studie

Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Aspekt. Die Konsumenten unterschieden sich in vielem von den übrigen Teilnehmenden: Sie waren seltener übergewichtig, rauchten weniger und aßen mehr Ballaststoffe. Auch Bildung und finanzielle Lage spielten eine Rolle – Faktoren, die unabhängig von der Ernährung mit dem Krebsrisiko zusammenhängen. Menschen, die zu Joghurt und Probiotika greifen, leben also oft insgesamt gesünder, und möglicherweise ist es dieser Lebensstil, der das Risiko senkt, nicht der Joghurt allein. Beides sauber zu trennen, gelingt mit solchen Daten nicht.

Außerdem beruhten Angaben zur Ernährung als auch die Krebs-Vorgeschichte auf Selbstauskunft der Teilnehmenden und weder Menge noch Dauer oder Art der Probiotika waren genau erfasst worden.

Welche Ernährung dem Darm guttut

Auch wenn ein direkter Schutzeffekt offenbleibt, fügt sich der Befund in ein größeres Bild. Eine ballaststoffreiche, pflanzenbetonte Ernährung mit fermentierten Lebensmitteln gilt aus anderen Gründen als günstig für die Darmgesundheit, und ein hoher Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch als ungünstig. Joghurt und mikrobiomfreundliche Kost schaden also nicht, im Gegenteil, sie passen in eine Ernährung, die dem Darm generell guttut.

Was nachweislich vor Darmkrebs schützt

Für eine echte Empfehlung zur Darmkrebs-Vorbeugung braucht es aber andere Studien. Die Autoren betonen selbst, dass ihre Ergebnisse erst durch längerfristige Untersuchungen bestätigt werden müssten. Wer sein Darmkrebsrisiko senken möchte, kann nach aktuellem Wissensstand vor allem auf regelmäßige Vorsorge (u.a. per Darmspiegelung), ausreichend Bewegung, Normalgewicht, wenig Alkohol, den Verzicht auf Rauchen und eine ballaststoffreiche Ernährung setzen.

Quelle: DOI 10.1038/s41387-026-00432-y

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