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Krebs-Risiko: Alte Sonnencreme besser aussortieren

PZ/LR  |  23.03.2021

Richtig angewendet, schützt Sonnencreme zuverlässig vor Hautschäden durch UV-Strahlung. Doch alte Produkte aus dem Vorjahr könnten mehr schaden als nutzen: Mit der Zeit zerfällt der oft in Sonnencremes enthaltene UV-Filter Octocrylen in den krebserregenden Stoff Benzophenon. Das stellten französische Forscher fest.

Schulter mit einer Sonne aus Sonnencreme.
Wer noch Sonnencreme aus dem letzten Jahr zu Hause hat, sortiert diese besser aus.
© verona_S/iStockphoto

Sonnenschutz-Präparate mit dem chemischen UV-Filter Octocrylen sollten nicht länger als eine Saison genutzt werden. Zu diesem Schluss kamen Wissenschaftler der Universität Sorbonne. Denn Octocrylen zerfällt mit der Zeit in den möglicherweise krebserregenden Stoff Benzophenon.

In der Studie aus Frankreich, die im Fachjournal „Chemical Research in Toxicology“ veröffentlicht wurde, bestimmten die Forscher die Menge an Octocrylen und Benzophenon in neun Sonnenschutzpräparaten aus der EU sowie acht aus den USA. Alle Präparate wiesen denselben Lichtschutzfaktor (LSF 50) auf und wurden direkt nach dem Kauf sowie nach einem sechswöchigen Alterungsprozess geprüft.

16 der untersuchten Sonnenschutzprodukte enthielten den chemischen UV-Filter Octocrylen, lediglich eines war frei davon. Alle 16 Octocrylen-haltigen Produkte enthielten zudem bereits direkt nach dem Kauf durchschnittlich 39 mg/kg Benzophenon, das aus dem Herstellungsprozess des UV-Filters stammt. In einer Pressemitteilung der Universität Sorbonne hieß es, die Kosmetikindustrie sehe solche Benzophenon-Konzentrationen als vernachlässigbar an. Nach etwa sechs Wochen stieg die Konzentration auf durchschnittlich 75 mg/kg an. Lediglich das Octocrylen-freie Sonnenschutzprodukt enthielt zu keinem Zeitpunkt Benzophenon.

Octocrylen wird kritisch bewertet

Aufgrund dieser Studienergebisse sollte aus Sicht der Wissenschaftler Octocrylen in Kosmetika sicherheitshalber verboten werden. Nicht nur Benzophenon ist gesundheitsschädlich, sondern auch Octocrylen selbst: Die beiden Stoffe stehen im Verdacht, krebserregend zu sein und die Fruchtbarkeit zu mindern. Daneben stören sie den körpereigenen Hormonhaushalt. Bereits 2012 wurde Octocrylen von Frankreich im Rahmen der REACH-Verordnung untersucht, einer europäischen Verordnung zum Schutz vor Gesundheitsrisiken durch Chemikalien. Im Mai 2019 forderte zudem die Europäische Kommission eine Neubewertung des UV-Filters, der derzeit immer noch zum Einsatz kommen darf.

Übrigens: Sonnencremes, bei denen das Verfallsdatum überschritten ist, sollten auch deshalb nicht mehr verwendet werden, weil die Schutzwirkung nach einiger Zeit nachlässt. Dabei spielt es keine Rolle, welche UV-Filter verwendet werden. Ob in einem Sonnenschutz Octocrylene enthalten sind, lässt sich über die Liste der Inhaltsstoffe auf der Rückseite des Produkts herausfinden. Alternativ gibt es Listen zu diversen Produkten auch im Internet, beispielsweise auf der Webseite www.haut.de oder www.hautschutzengel.de.  

Quelle: DOI: 10.1021/acs.chemrestox.0c00461

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