Muskelbeschwerden gehören zu den häufigsten Gründen, warum Menschen Statine absetzen. Forschende haben nun einen bislang unbekannten Mechanismus entdeckt, der diese Nebenwirkung erklären könnte. Was Betroffene wissen sollten.

Statine gehören zu den wichtigsten Medikamenten zur Senkung erhöhter Cholesterinwerte. Sie verringern das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall und können Leben retten. Dennoch entwickeln Schätzungen zufolge sieben bis 29 Prozent der Behandelten Muskelschmerzen, Muskelschwäche oder eine eingeschränkte Belastbarkeit. Warum manche Menschen betroffen sind und andere nicht, ist bislang nicht vollständig geklärt.
Ein Forschungsteam der McMaster University in Kanada hat nun einen möglichen Mechanismus identifiziert. Nach den Experimenten reagieren Muskelzellen offenbar nicht bei jedem Menschen gleich auf Statine. Entscheidend könnte sein, ob das Immunsystem der Muskelzellen bereits in einer Art Alarmbereitschaft ist. In diesem Zustand genügte in Laborversuchen bereits eine übliche Statin-Dosis, um die Energiegewinnung der Muskelzellen zu stören und einen körpereigenen Entzündungsmechanismus in Gang zu setzen, der die Muskelzellen schädigte.
In Versuchen mit Muskelzellen und Mäusen konnten die Forschenden den Großteil der Muskelschäden verhindern, indem sie die Immunreaktion blockierten. Gleichzeitig blieb der cholesterinsenkende Wirkmechanismus der Statine erhalten. Das macht den Signalweg zu einem möglichen Angriffspunkt für künftige Medikamente gegen Statin-Unverträglichkeit.
Die Forschenden vermuten, dass entzündliche Reize – etwa chronische Entzündungen oder Veränderungen der Darmbarriere – Muskelzellen empfindlicher für Statine machen könnten. Die Ergebnisse stammen jedoch überwiegend aus Versuchen mit Muskelzellen und Mäusen. Ob sich der Mechanismus auf den Menschen übertragen lässt und daraus neue Therapien entstehen, müssen klinische Studien erst zeigen. Die Ergebnisse liefern zunächst eine biologische Erklärung, noch aber keinen Nachweis für einen neuen Behandlungsansatz beim Menschen.
Wer unter einer Statintherapie Muskelschmerzen oder Muskelschwäche entwickelt, sollte die Beschwerden ärztlich abklären lassen und die Medikamente nicht eigenständig absetzen. Je nach Ursache können beispielsweise eine niedrigere Dosis oder ein anderes Statin infrage kommen.
Quelle: DOI 10.1126/sciadv.adz3612
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