Das Schilddrüsenhormon Levothyroxin (L-Thyroxin) wird vor allem bei einer Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) eingesetzt. In den letzten Jahren ist die Verordnung weiter gestiegen.
Warum L-Thyroxin so häufig verschrieben wird
Ein möglicher Grund: Auch Menschen mit einer sogenannten subklinischen Hypothyreose erhalten zunehmend L-Thyroxin. Dabei ist zwar ein Blutwert (TSH-Wert) erhöht, die eigentlichen Schilddrüsenhormone liegen aber noch im Normalbereich. Diese Form kann sich oft von selbst wieder normalisieren – ein klarer Nutzen der Behandlung, besonders bei Älteren, ist nicht belegt.
Studie: Absetzen oft ohne Probleme möglich
In einer Studie der Universität im niederländischen Leiden mit 370 Personen ab 60 Jahren wurde untersucht, ob sich L-Thyroxin reduzieren oder absetzen lässt. Die Dosis wurde schrittweise alle sechs Wochen gesenkt und regelmäßig kontrolliert.
Das Ergebnis:
- Jede bzw. jeder Vierte (25,7 Prozent) der Teilnehmenden konnten das Medikament vollständig absetzen
- Die Schilddrüsenwerte blieben dabei im Normbereich und die Lebensqualität veränderte sich nicht.
- Teilnehmende, die niedrige Dosen von 50 µg oder weniger einnahmen, konnten in 63,6 Prozent der Fälle das Medikament absetzen.
Wichtig: Nicht eigenständig absetzen
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bei älteren Menschen die Notwendigkeit einer Behandlung regelmäßig überprüft werden sollte. Gerade bei niedriger Dosierung kann ein Absetzversuch sinnvoll sein. Weniger Medikamente im Alltag können die Tablettenbelastung reduzieren und das Risiko für Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln verringern.
DOI: 10.1001/jama.2026.2864