Auf TikTok verbreiten sich Aussagen zu psychischen Erkrankungen millionenfach – etwa zu Angststörungen oder Narzissmus. Doch viele dieser Inhalte sind wissenschaftlich nicht haltbar.
Psychische Erkrankungen wie ADHS und Depression von Influencern oft falsch erklärt
Forschende der LVR-Universitätsklinik Essen und der Universität Duisburg-Essen haben rund 180 deutschsprachige Videos untersucht, die zusammen etwa 94 Millionen Aufrufe erzielten. Das Ergebnis:
- 33,3 Prozent der Videos waren inhaltlich falsch
- 18,1 Prozent stellten Sachverhalte stark vereinfacht dar
- 29,4 Prozent bestanden aus persönlichen Erfahrungen ohne fachliche Einordnung
- nur 19,2 Prozent waren sachlich korrekt
Untersucht wurden Themen wie ADHS, Depression, Autismus, Angststörungen, Narzissmus und posttraumatische Belastungsstörung (PTBS).
Falsche Selbstdiagnosen führen zu spätem Therapiebeginn
Besonders junge Nutzerinnen und Nutzer verwenden TikTok gezielt, um sich über psychische Symptome zu informieren. Laut den Forschenden kann dies jedoch problematisch sein: Fehlinformationen können zu falschen Selbstdiagnosen führen oder dazu, dass eine notwendige Therapie später beginnt.
Informationen von Ärzten und Psychotherapeuten sind verlässlich
Die Analyse zeigt auch Unterschiede zwischen den Absendern der Inhalte: Beiträge von Ärzten sowie Psychotherapeuten waren deutlich zuverlässiger und verständlich. Dagegen erwiesen sich Inhalte von selbsternannten Coaches oft als unzureichend recherchiert oder irreführend.
Die Forschenden sprechen sich dafür aus, dass sich medizinische Fachkräfte stärker in sozialen Netzwerken engagieren. Ziel ist es, qualitativ hochwertige und verständliche Informationen bereitzustellen und so die Verbreitung falscher Inhalte zu reduzieren.
DOI: 10.32872/cpe.17279