Gedächtnisprobleme? Studie findet keinen Zusammenhang mit Statinen
Viele Patienten setzen Statine wegen möglicher Nebenwirkungen ab. In einer Auswertung von 23 groß angelegten hochwertigen Studien zu den Cholesterinsenkern mit insgesamt mehr als 120.000 Teilnehmern stellte sich heraus, dass fast alle der in den Packungsbeilagen aufgeführten Nebenwirkungen sowohl bei den Statin- als auch bei den Placebo-Anwendern auftraten. Beispielsweise berichteten sowohl bei Behandlung mit Statinen als auch mit einem Placebo jeweils 0,2 Prozent der Personen von geistigen Beeinträchtigungen oder Gedächtnisstörungen. Insgesamt konnten die Forscher nur vier von 66 häufig genannten Nebenwirkungen eindeutig auf Statine zurückführen.
Keine Hinweise auf Depressionen, Müdigkeit oder mehr Gewicht
Die Einnahme von Statinen löste im Vergleich zu Placebos nicht häufiger Depressionen, Schlafstörungen, Erektionsstörungen, Gewichtszunahme, Übelkeit, Müdigkeit oder Kopfschmerzen aus. Es wurde lediglich ein geringfügig erhöhtes Risiko für Leberfunktionsstörungen beobachtet (ca. 0,1 Prozent). Lebererkrankungen wie Hepatitis oder Leberversagen waren in den Statin-Gruppen aber nicht häufiger als in den Kontrollgruppen. Das spricht dafür, dass die Veränderungen der Leberwerte nicht zu schwerwiegenderen Leberproblemen führen.
Große Analyse bestätigt nur 4 von 66 vermuteten Nebenwirkungen
Professor Bryan Williams, wissenschaftlicher Vorsitzender Britischen Herzgesellschaft, sagte: „Diese Ergebnisse bieten Patienten fundierte, evidenzbasierte Sicherheit. Statine sind lebensrettende Medikamente, die nachweislich vor Herzinfarkten und Schlaganfällen schützen. In dieser sorgfältig durchgeführten Analyse, die eine große Anzahl von Patienten untersuchte, wurden nur 4 von 66 Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Einnahme von Statinen gefunden, und dies auch nur bei einem sehr kleinen Teil der Patienten.“
Warum stehen dann so viele Nebenwirkungen im Beipackzettel?
Sir Rory Collins, emeritierter Professor für Medizin und Epidemiologie der Oxford Universität, erklärte: „Die Beipackzettel von Statinen führen bestimmte unerwünschte Gesundheitsfolgen als mögliche Nebenwirkungen auf, die hauptsächlich auf Informationen aus nicht-randomisierten Studien basieren, welche Verzerrungen unterliegen können.“
Warum diese Studie aussagekräftiger ist als viele frühere Untersuchungen
In diese Bewertung flossen dagegen nur große randomisierte Kontrollstudien ein, die im Schnitt über fünf Jahre liefen. Die Studien waren doppelblind, d. h. weder die Teilnehmenden noch das Studienpersonal wussten, wer welche Behandlung erhalten hatte. Dadurch wurden Verzerrungen durch erwartete Nebenwirkungen vermieden.
Insgesamt wurden Daten von 123.940 Teilnehmenden in 19 großen klinischen Studien ausgewertet, in denen die Wirkung von Statinen mit einem Placebo verglichen wurde. In weiteren 4 Studien mit 30.724 Teilnehmenden wurden unterschiedlich intensive Statintherapien miteinander verglichen.
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