Warum Antihistaminika bei Neurodermitis?
Antihistaminika verringern allergische Symptome etwa bei Heuschnupfen und gehören seit Jahren zur Behandlung von Neurodermitis. Sie blockieren die Wirkung des Botenstoffs Histamin, der unter anderem Juckreiz auslösen kann. Ob sie die Schwere der Ekzeme aber verringern und den Juckreiz tatsächlich wirksam lindern können, war bislang jedoch unklar. Eine im British Medical Journal veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit kommt nun zu dem Ergebnis, dass die Medikamente im Alltag wahrscheinlich keinen klinisch relevanten Nutzen bringen.
Juckreiz und Schwere des Ekzems bessern sich kaum
Für die Auswertung analysierten Forschende 47 randomisierte Studien mit insgesamt 6.230 Kindern und Erwachsenen. Verglichen wurde die übliche Neurodermitis-Behandlung mit und ohne zusätzliche orale Antihistaminika. Zwar verringerte sich die Schwere von Ekzemen und Juckreiz unter H1-Antihistaminika geringfügig, der Unterschied war jedoch klinisch unbedeutend, so die Forschenden. Auch Schlafstörungen und Krankheitsschübe verbesserten sich eher nicht.
Vor allem Antihistaminika der ersten Generation scheinen dagegen dämpfend zu wirken und das Risiko für Schläfrigkeit und eine eingeschränkte Konzentration zu erhöhen. Außerdem brachen Teilnehmende die Behandlung wegen Nebenwirkungen häufiger ab.
Studie aussagekräftig, aber mit Einschränkungen
Die Übersichtsarbeit gehört zu den bislang größten Untersuchungen zu diesem Thema. Allerdings unterschieden sich die eingeschlossenen Studien in ihrer Qualität, sodass die Aussagekraft für einzelne Wirkstoffe begrenzt ist. Die Ergebnisse sprechen dennoch dafür, Antihistaminika bei Neurodermitis nicht routinemäßig einzusetzen. Änderungen der Therapie sollten immer mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden.
DOI: 10.1136/bmj-2026-100163