Risiko durch erhöhte LDL-Werte schon vor dem ersten Herzinfarkt
Atherosklerose entwickelt sich meist über viele Jahre. Die Erkrankung kann lange unbemerkt bleiben, bevor sie sich durch einen Herzinfarkt oder Schlaganfall bemerkbar macht. Laut einer aktuellen Analyse haben viele Betroffene vor ihrem ersten Herzinfarkt weder typische Symptome noch eine Therapie erhalten, die zu hohe LDL-Cholesterin-Werte senkt. Letzteres gilt als wichtiger Risikofaktor für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Studie untersucht Therapie mit PCSK-9-Hemmern
Die OPTIMUS-CLASS-Studie wurde im European Heart Journal veröffentlicht. Untersucht wurden 19.670 Menschen mit atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung, die zuvor keinen Herzinfarkt, keinen Schlaganfall und keine entsprechende Krankenhauseinweisung hatten. Die Ergebnisse wurden auf einer Pressekonferenz in München im Rahmen des Kongresses der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie präsentiert. Die Forschenden werteten Versorgungsdaten aus dem Alltag aus. Verglichen wurde eine Gruppe, die mit modernen Cholesterinsenkern aus der Gruppe der PCSK9-Hemmer behandelt wurde, mit einer Gruppe ohne cholesterinsenkende Therapie.
Was sind PCSK9-Hemmer?
PCSK9-Hemmer gehören zu den wirksamsten Medikamenten zur Senkung des LDL-Cholesterins. Sie unterstützen die Leber dabei, überschüssiges Cholesterin aus dem Blut zu entfernen. Eingesetzt werden sie vor allem bei Menschen mit einem besonders hohen Herz-Kreislauf-Risiko oder wenn andere Cholesterinsenker nicht ausreichend wirken. Das Arzneimittel wird unter die Haut gespritzt.
Weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle und Todesfälle
Der Beobachtungszeitraum betrug fünf Jahre. Zu diesem Zeitpunkt traten bei der Gruppe, die mit PCSK9-Hemmern behandelt wurden Schlaganfälle, Herzinfarkte und vorzeitiger Tod um ein knappes Drittel weniger auf. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Menschen mit nachgewiesener Atherosklerose bereits vor einem ersten Herzinfarkt oder Schlaganfall von einer konsequenten Senkung erhöhter LDL-Cholesterinwerte profitieren könnten. Nach Einschätzung der Studienautoren liegt die Chance zur Prävention gerade in dieser frühen Phase der Erkrankung.
Was für Betroffene wichtig ist
Die Ergebnisse zeigen einen Zusammenhang, beweisen aber keine Ursache-Wirkungs-Beziehung. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, können trotz statistischer Anpassungen unbekannte Einflussfaktoren die Resultate mit beeinflusst haben. Patientinnen und Patienten sollten daher eine bestehende Cholesterintherapie nicht eigenständig ändern, sondern Therapieentscheidungen immer mit ihrem Arzt besprechen.
Quellen: DOI: 10.1093/eurheartj/ehag176