PSA-Test zur Früherkennung: Neue Studie macht Hoffnung
Die Bestimmung des PSA-Werts (Prostata-spezifisches Antigen) gehört bislang nicht zur Routine in der Krebsfrüherkennung. Eine große klinische Studie bringt nun Bewegung in die Diskussion: Der Bluttest könnte eine ähnlich hohe Trefferquote haben wie die Mammografie bei Brustkrebs.
In der Untersuchung wurden mehr als 39.000 Männer im Alter von 45 bis 50 Jahren getestet. Das Ergebnis: Mit dem PSA-Test wurden bösartige Tumoren in vergleichbarer Häufigkeit entdeckt wie beim Brustkrebs-Screening. Die Entdeckungsrate lag bei 60 bis 74 Prozent, bei der Mammografie bei rund 73 Prozent.
Wie zuverlässig ist der PSA-Test?
Die Zahlen deuten darauf hin, dass der PSA-Test ein wirksames Instrument zur Früherkennung sein kann. Entscheidend ist dabei: Ein erhöhter PSA-Wert allein bedeutet noch keine Krebsdiagnose. Er zeigt zunächst nur, dass weitere Untersuchungen sinnvoll sein können.
In der Studie wurden auffällige Werte häufig per MRT überprüft. Erst wenn zusätzliche Risikofaktoren vorlagen, folgte eine Gewebeprobe. Die Zahl der Biopsien lag dabei auf einem ähnlichen Niveau wie bei Frauen nach einer auffälligen Mammografie: zwischen 0,8 und 2,4 Prozent gegenüber etwa 1,1 Prozent.
Überdiagnosen bleiben ein wichtiges Thema
Ein kritischer Punkt beim PSA-Screening ist die sogenannte Überdiagnose. Dabei wird ein Tumor entdeckt, der im Leben des Betroffenen vermutlich keine Beschwerden verursacht hätte. Solche langsam wachsenden Tumoren wurden im PSA-Screening in 26 bis 31 Prozent der Fälle gefunden. Zum Vergleich: Bei der Mammografie liegt dieser Anteil bei etwa 22 Prozent.
Das bedeutet: Der Test kann Leben retten, führt aber auch dazu, dass manche Männer mit einer Diagnose konfrontiert werden, die medizinisch nicht zwingend behandelt werden müsste.
Kann der PSA-Test Leben retten?
Die zentrale Frage ist, ob ein breites PSA-Screening tatsächlich die Sterblichkeit senken kann. Die Studienautoren sehen hier ein klares Potenzial.
Sigrid Carlsson vom Deutschen Krebsforschungszentrum erklärt: „Solange wir kein bevölkerungsbasiertes Screening-Programm für Prostatakrebs haben, können wir keinen exakten Vergleich mit Brustkrebs anstellen. Aber auf der Grundlage unserer aktuellen Analyse können wir begründet annehmen, dass die Ergebnisse wahrscheinlich sehr ähnlich wie bei Brustkrebs wären, wenn das Prostatakrebs-Screening mittels PSA auf die Bevölkerung ausgeweitet würde.“
Was Männer jetzt wissen sollten
Die aktuellen Ergebnisse sprechen dafür, den PSA-Test stärker in der Früherkennung zu berücksichtigen. Gleichzeitig bleibt es wichtig, Nutzen und Risiken individuell abzuwägen. Für Männer bedeutet das konkret:
- Frühzeitig informieren, idealerweise ab etwa 45 Jahren
- Mit dem Arzt über persönliche Risikofaktoren sprechen
- Testergebnisse immer im Gesamtkontext betrachten
Quelle: DOI 10.1016/j.eururo.2025.12.002