Schlafmangel steigert das Gewicht: Warum schon 80 Minuten weniger Schlaf dick machen können

Wolf Löchel  |  08.07.2026 15:15 Uhr

Rund 80 Minuten weniger Schlaf pro Nacht, das klingt nach wenig. Doch schon dieses kleine Defizit ließ die Teilnehmenden einer Studie zunehmen. Warum zu wenig Schlaf offenbar direkt aufs Gewicht schlägt.

Unausgeruhter Mann im Büro.
Schon ein kleines regelmäßiges Schlafdefizit kann deutliche Auswirkungen haben.
© Liubomyr Vorona/iStockphoto

Zu wenig Schlaf gilt längst als ungesund. Dass sich aber bereits ein kleines, alltägliches Schlafdefizit auf der Waage bemerkbar macht, ist neu. Ein Forschungsteam um die Ernährungsmedizinerin Marie-Pierre St-Onge von der Columbia-Universität in New York hat den Zusammenhang untersucht und einen messbaren Effekt gefunden.

Etwa ein halbes Kilo mehr in nur sechs Wochen

Die Studie zeigt einen klaren Zusammenhang: Wer sechs Wochen lang jede Nacht rund 80 Minuten kürzer schlief, nahm im Schnitt rund ein halbes Kilogramm zu. Das klingt nach wenig, aber der Studienautor Faris Zuraikat betont einen wichtigen Punkt: „Auch wenn die Gewichtszunahme von einem Pfund nicht überwältigend ist, sollte man bedenken, dass sie in nur sechs Wochen eintrat." 

Hochgerechnet auf ein ganzes Jahr könnte schon weniger als anderthalb Stunden Schlafverlust pro Nacht zu einer spürbaren Gewichtszunahme führen. Und Übergewicht wiederum zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren für Herzkrankheiten und Diabetes.

Wer kürzer schläft, bewegt sich weniger

Mehr Wachzeit müsste eigentlich mehr Bewegung bedeuten. Die Studie zeigt das Gegenteil. In der Phase mit verkürztem Schlaf saßen oder lagen die Teilnehmenden im Schnitt 17 Minuten länger pro Tag, Männer und Frauen nach den Wechseljahren sogar fast 30 Minuten.

„Selbst als wir berücksichtigt haben, dass die Teilnehmenden bei kürzerem Schlaf länger wach waren, verbrachten sie mehr Zeit inaktiv als bei ausreichendem Schlaf", erklärt Zuraikat. Zu wenig Schlaf könnte also gleich doppelt ungünstig wirken: mehr Gewicht und weniger Bewegung. Anhaltende Bewegungsarmut erhöht das Risiko für chronische Krankheiten zusätzlich.

Was dabei im Körper passiert

Die genauen Mechanismen bleiben noch offen, doch frühere Auswertungen derselben Teilnehmergruppe liefern Hinweise. Bei Frauen mit erhöhtem Stoffwechselrisiko verschlechterte sich durch den kürzeren Schlaf die Insulinempfindlichkeit, ein Risikofaktor für Typ-2-Diabetes, besonders deutlich nach den Wechseljahren. Bei Menschen mit erhöhtem Herzrisiko fand sich zudem eine vermehrte Entzündungsaktivität im Herzen.

Gewicht ist mehr ist als eine Kalorienfrage

Frühere Untersuchungen arbeiteten meist mit extremem Schlafentzug von mehreren Stunden, den kaum jemand länger als ein paar Tage durchhält und der wenig über den Alltag aussagt. Die aktuelle Untersuchung, die im Fachjournal „Annals of Internal Medicine“ erschien, bildete dagegen genau das nach, was rund ein Drittel der Erwachsenen dauerhaft erlebt: chronisch etwas zu wenig Schlaf. Die 95 Teilnehmenden verschoben dafür in einer sechswöchigen Phase ihre Schlafenszeit um 90 Minuten nach hinten, in einer anderen schliefen sie normal.

„Ausreichend Schlaf kann helfen, das Risiko für Gewichtszunahme und damit verbundene Erkrankungen wie Herzkrankheiten und Diabetes zu senken", so St-Onge. Der verbreitete Rat, einfach gesünder zu essen und sich mehr zu bewegen, greife oft zu kurz und sei schwer durchzuhalten. Guter Schlaf könnte der unterschätzte dritte Hebel sein, neben Ernährung und Bewegung.

Quelle: DOI 10.7326/ANNALS-25-01660

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