Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnie) zählen zu den häufigsten Erkrankungen. Zwischen 6 und 10 Prozent der Bevölkerung leiden an einer behandlungsbedürftigen Insomnie. Das sind mindestens 5 Millionen Bundesbürger. Da wundert es nicht, dass viele Menschen nach Hilfe suchen.
Schlaftracker nutzen Steinzeitmethoden
Viele Schlaftracker und Apps auf dem Markt werden zur Vermessung des eigenen Schlafes angeboten. Manche sollen die Diagnose von Schlafstörungen, wie beispielsweise das krankhafte Schnarchen (Schlafapnoe) ermöglichen. Doch Dr. Hans-Günter Weeß, Referent der Fortbildungsakademie der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) gibt zu bedenken: „Bei vielen Schlaftrackern und Apps handelt es sich im eigentlichen Sinne um Steinzeitmethoden der Schlafforschung.“ Sie vermitteln aufgrund ihrer Erscheinungsform einen hochtechnischen und wissenschaftlichen Charakter. Viele beruhen aber im eigentlichen Sinne auf der Analyse der Bewegungshäufigkeit und nutzen häufig als einziges Biosignal den Puls.
Mit diesen Parametern können aber nicht, wie häufig suggeriert, valide Aussagen zur Schlafqualität getroffen werden. „Würde es sich dabei um valide Parameter zur Analyse des Schlafes handeln, würden wir diese längst in der schlafmedizinischen Praxis einsetzen“, so Weeß.
Wenn Selbstoptimierung krank macht
In gewisser Weise bergen diese Methoden laut DGSM auch Risiken. Menschen, die ihren Schlaf tracken, um diesen zu optimieren, entwickeln laut Studien in 14 oder mehr Prozent der Fälle eine Verstärkung ihrer Schlafstörung, eine sogenannte Orthosomnie. Diese resultiert zum einen aus einer verstärkten Selbstbeobachtung und Selbstoptimierung des eigenen Schlafvermögens und wirkt in der Konsequenz häufig anspannungs- und in der Folge schlafstörungsverstärkend.
Welche Gefahren bergen Schlaftracker?
Weitere mögliche negative Auswirkungen sind:
- Aufgrund der fehlenden Genauigkeit attestieren Schlaftracker Menschen mit Schlafstörungen mitunter einen gesunden Schlaf. Sie suchen so keine nötige Hilfe.
- Menschen mit einem gesunden Schlaf wird ein nicht erholsamer Schlaf attestiert wird, was diese verunsichert.
- Insgesamt Menschen verlassen sich nicht weniger auf das eigene Körpergefühl am Morgen, sondern schauen erst auf das Ergebnis des Schlaftrackers und fühlen sich dann entsprechend.
Die DGSM fordert moderne wissenschaftlich evaluierte Methoden, welche medizinischen, diagnostischen und therapeutischen Standards für die Behandlung von Menschen mit Schlafstörungen entsprechen.