Sepsis: Warnzeichen, Verlauf und Behandlung einer Blutvergiftung

Rüdiger Freund  |  26.01.2026 15:26 Uhr

Eine Sepsis, umgangssprachlich als Blutvergiftung bekannt, ist ein lebensbedrohlicher medizinischer Notfall. Erfahren Sie, woran Sie eine Blutvergiftung erkennen, wie sie entsteht und warum schnelle Behandlung entscheidend ist.

Blasse Frau liegt mit zusammengekniffenen Augen im Bett, eine Hand an ihrer Stirn, ein Thermometer hängt aus ihrem Mundwinkel.
Fieber über 38 °C, Benommenheit und starkes Krankheitsgefühl zählen zu häufigen Symptomen einer Sepsis.
© monstArrr_/iStockphoto
Inhaltsverzeichnis

Überblick

Eine Sepsis (Blutvergiftung) ist eine schwere systemische Reaktion des Körpers auf eine Infektion. Dabei gerät die Immunabwehr außer Kontrolle und schädigt körpereigenes Gewebe und Organe. Sie kann durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten ausgelöst werden. Besonders gefährlich: Die Erkrankung kann sich innerhalb kürzester Zeit dramatisch verschlechtern.

In Deutschland erkranken jährlich über 300.000 Menschen an einer Sepsis – fast 100.000 versterben daran. Damit zählt die Sepsis zu den häufigsten vermeidbaren Todesursachen. Entscheidend ist, dass Betroffene oder Angehörige erste Anzeichen richtig deuten.

Wichtig: Der Begriff „Blutvergiftung“ ist medizinisch nicht exakt, hat sich aber umgangssprachlich eingebürgert. 

Symptome einer Blutvergiftung

Die Beschwerden bei einer Sepsis sind oft unspezifisch – das macht die Blutvergiftung so tückisch. Typisch ist ein plötzlicher, schwerer Krankheitsverlauf, häufig mit hohem Fieber und Kreislaufproblemen.

  • Fieber über 38 °C oder Untertemperatur unter 36 °C
  • Verwirrtheit, Benommenheit oder Bewusstseinsstörungen
  • Schneller Puls (Tachykardie)
  • Niedriger Blutdruck
  • Schnelle Atmung
  • Starkes Krankheitsgefühl

Warnzeichen einer Sepsis an der Haut:

  • Kalte, blasse oder marmorierte Haut
  • Bläuliche Verfärbungen an Fingern oder Lippen
  • Hautausschläge oder punktförmige Einblutungen

Solche Sepsis-Anzeichen auf der Haut sind ein dringender Hinweis und erfordern sofortige medizinische Hilfe.

Verlauf einer Sepsis

Die Sepsis beginnt meist mit einer lokal begrenzten Infektion – z. B. einer Lungenentzündung, Harnwegsinfektion oder Wundinfektion. Wenn die Erreger oder ihre Gifte in den Blutkreislauf gelangen, kann der Körper mit einer überschießenden Immunreaktion antworten.

Unbehandelt entwickelt sich aus der Blutvergiftung schnell ein septischer Schock: Der Blutdruck fällt ab, Organe versagen. Es drohen Multiorganversagen, Amputationen oder Tod. Die ersten Stunden sind entscheidend – bei Verdacht zählt jede Minute.

Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Menschen mit geschwächtem Immunsystem, mit chronischen Erkrankungen oder Patienten nach Operationen.

Ursachen

Auslöser einer Sepsis ist fast immer eine Infektion, die außer Kontrolle gerät. Erreger gelangen in den Blutkreislauf und lösen dort eine systemische Entzündungsreaktion aus.

Häufige Infektionsquellen bei Blutvergiftung

  • Lungenentzündung (Pneumonie)
  • Harnwegsinfektionen
  • Wundinfektionen nach Verletzungen oder Operationen
  • Bauchfellentzündung
  • Infektionen im Mund-Rachen-Raum

Manchmal ist die Infektionsquelle nicht sofort erkennbar. Auch Zahninfektionen, Fremdkörper wie Katheter oder seltene Tropenkrankheiten können Auslöser sein.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt im Krankenhaus, oft in der Notaufnahme oder auf der Intensivstation. Bei Verdacht auf Sepsis müssen sofort Blutkulturen abgenommen und die Organfunktionen überwacht werden.

Wichtige diagnostische Schritte bei einer Sepsis

  • Körperliche Untersuchung und Vitalzeichenkontrolle
  • Blutkulturen und Laborparameter (CRP, Prokalzitonin, Laktat)
  • Urin- und Röntgenuntersuchung zur Infektionssuche
  • EKG und Ultraschall bei Bedarf

Je früher man eine Blutvergiftung erkennt, desto eher kann eine gezielte Therapie eingeleitet werden. Auch Angehörige sollten typische Warnzeichen kennen.

Behandlung: So wird eine Sepsis therapiert

Die Behandlung der Sepsis erfolgt intensivmedizinisch. Ziel ist es, die Infektion zu kontrollieren, den Kreislauf zu stabilisieren und Organfunktionen zu erhalten.

  • Schnelle Gabe von Breitband-Antibiotika
  • Flüssigkeitstherapie (Infusionen)
  • Sauerstoffgabe oder Beatmung bei Atemnot
  • Medikamentöse Kreislaufunterstützung (Vasopressoren)
  • Chirurgische Entfernung von Infektionsherden (z. B. Abszesse)

Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad. Bei septischem Schock ist oft eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig.Frühzeitiges Handeln rettet Leben.

Was die Apotheke rät

Die Behandlung einer Sepsis gehört in die Klinik – dennoch gibt es wichtige Apotheken-Tipps zur Vorbeugung und zum Infektionsschutz.

  • Impfungen (z. B. gegen Pneumokokken, Grippe) beugen Infektionen vor
  • Hygieneberatung: Händedesinfektion, Wundpflege
  • Hinweise zur korrekten Einnahme von Antibiotika
  • Unterstützung bei der Wundversorgung im häuslichen Bereich

Viele Sepsis-Fälle entstehen durch nicht ausgeheilte Infekte. Wer Symptome richtig deutet und frühzeitig reagiert, kann schwerwiegende Folgen vermeiden.

Kurz zusammengefasst

  • Bei Verdacht sofort medizinische Hilfe suchen – schnelles Handeln ist entscheidend!
  • Sepsis, auch bekannt als Blutvergiftung, ist eine lebensbedrohliche Reaktion auf Infektionen.
  • Typische Symptome: hohes Fieber, Verwirrtheit, schneller Puls, niedriger Blutdruck.
  • Blutvergiftung erkennen: Achten Sie auf Hautveränderungen, Schwäche, schnelle Atmung.
  • Behandlung: Antibiotika, Infusionen, intensivmedizinische Maßnahmen

zuletzt aktualisiert: 26.01.2026

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