Gesundheit

Sind Rückenmarksverletzungen in Zukunft heilbar?

Lena Höppner  |  26.11.2021

Rückenmarksverletzungen wie nach einem Auto- oder Sportunfall führen meist zu Lähmungen oder Gefühlsverlusten. Die Chancen auf Heilung sind dabei sehr gering. Nur etwa 3 Prozent der Patienten schaffen es überhaupt einfache Bewegungsabläufe wieder zu erlernen. Amerikanischen Wissenschaftlern gelang es nun eine Therapie zu entwickeln, die Abhilfe schaffen könnte.

3 Forscher im Labor
Einem Forscherteam aus den USA gelang es, dass querschnittsgelähmte Mäuse wieder Laufen konnten.
© gorodenkoff/iStockphoto

Einmalig wird eine Spritze mit einem Gel appliziert, welches aus Ketten von Proteinen besteht. Nach der Applikation bildet das Gel ein komplexes Netzwerk aus sehr kleinen, feinen Fasern, dass die natürliche Umgebung des Rückenmarks nachahmen soll. Diese besteht aus einem Gewebe, in dem die Zellen eingebettet sind. Es enthält Proteine, die für das Wachstum von Zellen nötig sind und vermittelt den Kontakt der Zellen untereinander.

Die in dem Netzwerk enthaltenden Proteinen können sich bewegen und ahmen die Funktion der natürlich im Körper vorkommenden Protein nach. Sie haben die Fähigkeit, mit einem Rezeptor zu interagieren, der dann das Signal weiterleitet. Durch die ständige Bewegung erhöhte sich in die Wahrscheinlichkeit auf einen Rezeptor zu treffen. Die Wissenschaftler zeigten in Versuchen mit Mäusen, dass eine vermehrte Bewegung der Proteine die Regeneration deutlich verbesserte.

Zwei Signale begünstigen die Heilung

Nach erfolgreicher Interaktion mit einem Rezeptor löst dieser zwei Signale aus: Das eine Signal bewirkt, dass die Nervenzellen nach einer Verletzung nicht zu Grunde gehen. Dies passiert durch Anregung anderer Zellen zur Neubildung von Blutgefäßen, die die Nervenzellen mit Nährstoffen versorgen. Außerdem wird die Narbenbildung unterdrückt, die sonst den Heilungsprozess blockiert. Das andere Signal führt zu einer Regeneration der Nervenzellfortsätze. Diese vermitteln die Signale zwischen dem Gehirn und dem Rest des Körpers. Eine Verletzung verursacht Missempfindungen und Gefühlsverluste der Extremitäten, da die Signale im Gehirn nicht mehr ankommen.  

Die Wissenschaftler der Northwestern Universität in Illinois, USA konnten dies an gelähmten Mäusen testen. 24 Stunden nach der Verletzung des Rückenmarks erfolgte die Injektion. Nach nur vier Wochen konnten diese wieder laufen. An Menschen fanden noch keine Tests statt, aber erste Versuche an menschlichen Zellen im Reagenzglas sahen vielversprechend aus. Demnächst wollen die Wissenschaftler bei der zuständigen amerikanischen Behörde die Durchführung von Studien am Menschen beantragen. Für die Zukunft geben sie sich zuversichtlich, mit dieser Therapieform auch andere Krankheiten zu behandeln, die das Gehirn betreffen, beispielsweise Alzheimer, Schlaganfall oder Parkinson.

Quelle: DOI: 10.1126/science.abh3602

Das könnte Sie auch interessieren

Medikamente ohne Zuzahlung

Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.

Anzeige
Anzeige

Diabetes mellitus und Belastung der Haut

Trockene Haut, Juckreiz? Passende Hautpflege bei typischen Begleiterscheinungen.

Arzneimitteldatenbank

Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.

Podcast "gecheckt!"
Trockene Augen treten vor allem im Winter auf.
Podcast: gecheckt!
Apotheke

Podcast: Die besten Tipps gegen trockene Augen

Vor allem im Winter fördert Heizungsluft trockene Augen. Brennen, Jucken oder ein Fremdkörpergefühl…

Apotheken Magazin

Alle 14 Tage neu in Ihrer Apotheke: Das Apotheken Magazin ist eine kostenlose Zeitschrift für Apothekenkunden, die fundiert und leicht verständlich alle Fragen rund um die Gesundheit beantwortet.

Themen-Special Diabetes

Alles rund um die Stoffwechselerkrankung Diabetes lesen Sie hier.

Telepharmazie

Sie suchen eine Apotheke mit Telepharmazieangebot?

Krankheiten von A - Z

In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern

nach oben
Notdienst finden