Soziale Lebensumstände beeinflussen die Gesundheit von Kindern stärker als ungesunde Lebensweise der Eltern

Katrin Faßnacht-Lee  |  27.07.2026 13:23 Uhr

Das Verhalten der Mutter während der Schwangerschaft gilt als wichtiger Einflussfaktor für die Gesundheit eines Kindes. Eine große Studie zeigt nun jedoch, dass die Lebensbedingungen einer Familie langfristig eine größere Rolle spielen könnten. Und: Wenn der Vater während der Schwangerschaft raucht oder trinkt, hat das ähnlich negative Zusammenhänge wie bei der Mutter.

Zwei Kinder sitzen nebeneinander vor einer Hauswand und teilen sich ein Eis.
Die Gesundheit von Kindern wird davon beeinflusst, wenn sie in ärmeren Verhältnissen aufwachsen - sogar stärker, als wenn die Eltern in der Schwangerschaft rauchen oder trinken.
© ajfletch/iStockphoto

Soziale Situation wichtiger als einzelne Verhaltensweisen

Ob Rauchen, Alkohol oder Koffein in der Schwangerschaft – solche Faktoren werden seit Jahren intensiv erforscht. Eine neue Studie der University of Exeter legt nun nahe, dass die soziale und wirtschaftliche Situation einer Familie einen größeren Einfluss auf die Gesundheit von Kindern haben könnte als diese einzelnen Verhaltensweisen der Eltern. 

Studie untersucht unter anderem Hyperaktivität und Körpergewicht

Für die Untersuchung analysierten Forschende Daten aus vier großen Langzeitstudien in Großbritannien und Norwegen mit mehr als 230.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Sie berücksichtigten das Rauch-, Alkohol- und Koffeinverhalten beider Eltern sowie deren sozioökonomische Situation. Anschließend verglichen sie diese Faktoren mit 72 verschiedenen Gesundheitsmerkmalen der Kinder, die zu sechs Zeitpunkten erfasst wurden. Dazu gehörten unter anderem Geburtsgröße, Körpergewicht, Hyperaktivität, soziale Kommunikation, aggressives Verhalten und depressive Symptome.

Sozioökonomischer Status zeigte die meisten Zusammenhänge

Die Auswertung ergab, dass 15 Prozent der untersuchten Zusammenhänge mit der sozialen und wirtschaftlichen Situation der Familie verbunden waren. Dagegen fanden die Forschenden Zusammenhänge mit dem Rauchverhalten der Eltern bei 6 Prozent der Ergebnisse, mit Alkoholkonsum bei 3 Prozent und mit Koffeinkonsum lediglich bei 0,4 Prozent.

Verhalten von Müttern und Vätern war ähnlich mit der Kindergesundheit verknüpft

Ein weiteres überraschendes Ergebnis: Die Verhaltensweisen von Müttern hatten keine stärkeren Zusammenhänge mit der Gesundheit der Kinder als die der Väter.

Studienleiterin Gemma Sharp erläutert: „Eines der interessantesten Ergebnisse war, dass wir keine durchgehend stärkeren Effekte bei Müttern als bei Vätern gesehen haben. Häufig gehen wir davon aus, dass das Verhalten der Mutter während der Schwangerschaft einen größeren Einfluss auf die Gesundheit des Kindes hat, weil es das ungeborene Baby direkt betrifft. Wir stellten jedoch fest, dass Rauchen, Alkohol- und Koffeinkonsum von Müttern und Vätern ein bemerkenswert ähnliches Muster von Zusammenhängen mit der Gesundheit der Kinder zeigten. Das unterstreicht die Bedeutung des gesamten familiären Umfelds und der sozialen Lebensumstände – und nicht nur des Verhaltens während der Schwangerschaft – für die Gesundheit von Kindern.“

Die Forschenden weisen allerdings darauf hin, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Die Ergebnisse zeigen statistische Zusammenhänge, können aber keine Ursache-Wirkungs-Beziehung belegen.

Quelle: DOI: 10.1371/journal.pmed.1005153

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