Haferflocken gelten seit Langem als gesund – doch wie stark ihr Effekt wirklich sein kann, zeigt eine aktuelle Studie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Schon eine kurze, zweitägige Haferkur ging bei den Teilnehmenden mit deutlich verbesserten Cholesterinwerten einher. Die Ergebnisse liefern neue Hinweise darauf, wie Ernährung den Stoffwechsel beeinflussen kann.
Zwei Hafer-Ernährungsversuche mit Menschen mit metabolischem Syndrom
Das Forschungsteam führte zwei verschiedene Ernährungsversuche durch, um den Einfluss der Dauer prüfen zu können. Dafür erhob es in regelmäßigen Abständen Blut- und Stuhlproben sowie Blutdruck und Körpergewicht. Insgesamt nahmen an der Studie 68 Menschen mit metabolischem Syndrom teil, das heißt, sie hatten eine Kombination aus Übergewicht, Bluthochdruck sowie erhöhte Blutzucker- und Blutfettwerte. Ihr Risiko für Diabetes ist erhöht.
Der erste Teil befasste sich mit der zweitägigen Intensiv-Haferkur: Die 17-köpfige Hafer-Gruppe aß an zwei Tagen ausschließlich 300 Gramm Haferflocken, ergänzt nur durch etwas Obst und Gemüse. Zur Kontrollgruppe gehörten 15 Personen, die sich ebenfalls kalorienreduziert ernährten, aber ohne Haferflocken.
Zur Intensiv-Haferkur fand das Team heraus:
Von der Ernährungsumstellung profitierten grundsätzlich beide Gruppen. Besonders deutlich waren die Effekte jedoch bei der Hafergruppe: Ihre Blutfettwerte sanken stärker als in der Kontrollgruppe ohne Hafer. Vor allem das als ungünstig geltende LDL-Cholesterin war niedriger. „Der Spiegel des besonders schädlichen LDL-Cholesterins sank bei ihnen um 10 Prozent“, betont Marie-Christine Simon von der Uni Bonn in einer Mitteilung zur Studie. Zusätzlich verloren die Teilnehmenden im Durchschnitt etwa zwei Kilogramm Körpergewicht, auch der Blutdruck ging leicht zurück. Bemerkenswert ist, dass diese Effekte teilweise noch sechs Wochen nach der Haferkur nachweisbar waren.
Weniger harte Haferkur, dafür über sechs Wochen lang?
Hat es auch einen Nutzen, über sechs Wochen hinweg täglich 80 Gramm Hafer zu essen? Das war die Frage hinter dem zweiten Versuchsteil. Dafür aß eine Hafer-Gruppe mit ebenfalls 17 Personen über sechs Wochen hinweg täglich 80 Gramm Haferflocken, ohne ihre Ernährung sonst einzuschränken. Eine gleichgroße Kontrollgruppe erhielt keinen Hafer.
Die sechs-Wochen-Hafergruppe hatte nur geringe Veränderungen bei den Cholesterinwerten. Das deutet darauf hin, dass Hafer seine Wirkung in dieser Studie vor allem dann entfaltete, wenn er in hoher Menge und in Verbindung mit einer Kalorienreduktion verzehrt wurde.
Warum wirkt Hafer im Darm?
Die Forschenden beobachteten zudem Veränderungen im Darm anhand der Stuhlproben. Sie sahen: Mit dem Haferverzehr nahm die Zahl bestimmter Darmbakterien zu. Diese Mikroorganismen produzieren beim Abbau des Hafers Stoffe, die offenbar Einfluss auf den Cholesterinstoffwechsel haben. „Wir konnten zum Beispiel nachweisen, dass die Darmbakterien durch den Abbau des Hafers phenolische Verbindungen produzieren“, erklärt Erstautorin Linda Klümpen. Einige dieser Stoffe stehen im Verdacht, den Fett- und Zuckerstoffwechsel günstig zu beeinflussen.
Quelle: DOI 10.1038/s41467-026-68303-9