Stürze zählen zu den häufigsten Gesundheitsrisiken im höheren Lebensalter. Besonders folgenschwer sind Stürze beim Drehen: Sie führen fast achtmal häufiger zu Hüftfrakturen als Stürze beim Geradeausgehen, so das Stevens Institute of Technology. Solche Verletzungen können Mobilität, Selbstständigkeit und Lebensqualität dauerhaft einschränken.
Warum Drehen das Gleichgewicht besonders fordert
Richtungswechsel sind ein selbstverständlicher Teil des Alltags – etwa beim Einkaufen oder in der Wohnung. Gleichzeitig stellen sie hohe Anforderungen an Balance und Koordination. Beim Drehen verschiebt sich der Körperschwerpunkt seitlich und kann kurzfristig außerhalb der sicheren Standfläche liegen.
„Wenn sich der Körper um die eigene Vertikale dreht, gerät das mit den Mechanismen des Gleichgewichts in Konflikt“, erklärt Antonia Zaferiou in einer Mitteilung. Beim Geradeausgehen gleiche der Körper eine kontrollierte Vorwärtsbewegung aus, beim Drehen müsse diese Kontrolle in eine andere Richtung erfolgen – deutlich komplexer als ein normaler Schritt.
Studie untersucht typische Alltagssituationen
Für ihre Untersuchung simulierte das Forschungsteam eine Einkaufssituation mit geraden Wegen und Abzweigungen. Die 16 gesunden Teilnehmenden im Alter von 65 Jahren und älter gingen geradeaus, machten geplante Richtungswechsel und reagierten auf unerwartete Abbiegungen. Mithilfe von Ganzkörper-Bewegungssensoren wurde erfasst, wie sie ihr Gleichgewicht während dieser Bewegungen regulierten.
Vorsicht als wirksame Strategie
Auf Gruppenebene bewegten sich die älteren Teilnehmenden ähnlich wie jüngere Erwachsene. Auf individueller Ebene zeigten sich jedoch Unterschiede: Einige reduzierten bewusst das seitliche Schwingen oder führten Drehungen langsamer aus. „Personen ohne Sturzangst oder mit besseren klinischen Gleichgewichtswerten schwingen schneller beim Drehen – ähnlich wie jüngere Erwachsene“, sagt Zaferiou. „Diejenigen mit Sturzangst oder schwächerer Balance nutzten hingegen Schutzstrategien und begrenzten die seitliche Bewegung.“ Diese Teilnehmenden führten Drehungen damit nicht unsicherer, sondern gezielt stabiler aus.
Neue Impulse für Prävention und Diagnostik
Langsame oder zögerliche Bewegungen müssen daher nicht automatisch auf eine schlechte Balance hindeuten. Sie können Teil einer wirksamen Anpassungsstrategie sein. „Das fordert etablierte Annahmen in der Medizin heraus“, so Zaferiou, und spreche dafür, Gleichgewicht individueller und alltagsnäher zu beurteilen. Ein stärkerer Fokus auf Drehbewegungen könnte helfen, Sturzrisiken frühzeitig zu erkennen und die Selbstständigkeit im Alter länger zu erhalten.
Quelle: DOI 10.1038/s41598-025-22800-x